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K.I.N - Kirche in Not - Italienisches Sekretariat |
Die Religionsfreiheit
in den Ländern mit überwiegend islamischer
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Einführung "Die Achtung
der Religionsfreiheit ist nicht nur ein Kriterium für
die Folgerichtigkeit eines juridischen Systems, sondern auch
für die Reife einer freiheitlichen Gesellschaft."
"Jedermann
hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und
Religionsfreiheit. Dieses Recht umfaßt die Freiheit,
eine Religion oder Weltanschauung eigener Wahl zu haben oder
anzunehmen, und die Freiheit, seine Religion oder
Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen,
öffentlich oder privat durch Gottesdienst, Beachtung
religiöser Bräuche, Ausübung und Unterricht
zu bekunden."
Zu den widerwärtigen Verletzungen der Menschenrechte - ja, des ersten unter ihnen, der Religionsfreiheit - gehört es, daß in zahlreichen islamischen Ländern jedem Nicht-Muslim selbst das Beten in der Öffentlichkeit versagt ist und die Christen - allerdings nicht nur sie - wegen ihres Glaubens gesellschaftlich benachteiligt, sozusagen als "Staatsbürger zweiter Klasse" leben müssen. Die irrtümliche und propagandistisch genutzte Gleichsetzung des Christentums mit einem geschichtslosen Westen, die unter Muslimen - und nicht nur unter ungebildeten - weit verbreitet ist, aber sicher auch eine religiöse Einstellung, der die Achtung der Menschenwürde fremd ist, das sind Faktoren, die für eine beträchtliche Zahl von Christen in islamischen Ländern eine regelrechte Einschränkung ihrer Teilnahme am öffentlichen Leben und ihrer Rolle in der Gesellschaft bedeuten. Und dies, während ohne jede Grundlage der Gegenseitigkeit in Gebieten Moscheen errichtet werden, die einst christlich waren. Anfang Juli 1998 kamen in Akaba im Süden Jordaniens die Reste einer christlichen Kirche ans Licht, die im Jahre 363 n. Chr. von einem Erdbeben verschüttet worden sein soll und die älteste Kirche sein dürfte, die bisher auf der Welt wiedergefunden wurde. Das Christentum breitete sich nämlich im 4. Jahrhundert n. Chr. von Palästina in das heutige Jordanien aus. Die Gleichsetzung der christlichen Religion mit der westlichen Welt ist ein offenbarer Irrtum, im besonderen soweit sich der Westen infolge des jahrhundertelang fortgeschrittenen Prozesses der Entchristlichung, den er durchlebt hat, selbst nicht mehr mit dem Christentum identifiziert. Wenn die westliche Welt vom Islam als säkularisiertes Terrain betrachtet wird, so hat dieser dafür plausible Gründe; doch will man einer Zivilisation von Gläubigen begegnen, so muß man die Rechte eines jeden Mannes bzw. einer jeden Frau respektieren, die sich zu einer Religion bekennen, und zwar nicht nur zu den monotheistischen Religionen oder "Buchreligionen", wie die Muslime sie irrtümlich nennen. Die Verfügungen des Propheten Mohammed, die dem Katharinenkloster auf dem Sinai Frieden zusichern und die man logisch interpretierend so ausweiten könnte, sie als ein Sicherheitspfand für alle Christen zu sehen, sind von der gegenwärtig vorherrschenden Koran-Exegese vergessen worden, die eher auf die Kommentare des Rechtsgelehrten Ibn Taimijja (1263-1328) zurückgreift - der als ideologische Lehrquelle der sogenannten Fundamentalisten betrachtet wird -, wonach der Muslim die Pflicht hat, die Führungsrolle zu übernehmen, und in dessen Lehre die Vorteile dargelegt werden, die sich aus der totalen Vereinigung zwischen geistlicher und weltlicher Macht sowohl für die Regierung wie auch für die Regierten ergeben.
All dies ungeachtet der Tatsache, daß 1998 auf einem Kongreß in Kuala Lumpur einer der namhaftesten Gelehrten der islamischen Welt, Scheich Muhammad Sayyed Tanlawi, Professor an der Kairoer Al-Ashar-Universität in Ägypten, bekräftigt hat, daß der Islam keine Sanktionen für Abtrünnige vorsieht, wenn sie die Religion nicht beleidigen oder bedrohen, da "zu Zeiten des Propheten Mohammed, wenn jemand den Isalm verlassen wollte, der Prophet dies gestattete". Er erläuterte anschließend, daß gegebenenfalls nur dann gegen einen Abtrünnigen vorgegangen werden dürfe, wenn dieser den Islam beschimpft oder bedroht.
Der vorliegende "Bericht" will nicht auf die Lehren eingehen, die den berichteten Ereignisse zugrunde liegen. Wegen der extremen Verschiedenartigkeit der geschilderten Situationen, auch in ihrer geographischen Vielfalt, und wegen ihrer Dynamik, die erst in einem späteren Stadium Schlußfolgerungen historischer, politischer und ideologischer Art zuläßt, möchte er auch keine Ursache-Wirkung-Bezüge herstellen. Es handelt sich lediglich um chronikartige Streiflichter aus jenen Ländern, in denen die Mehrheit der Bevölkerung formell der islamischen Religion angehört. Es geht darum zu verstehen, welche Gefahren es für die Religionsfreiheit gibt - für die Christen, aber auch für Angehörige anderer Religionen, die in der Gesellschaft Minderheiten bilden, wobei in einigen Fällen selbst Strömungen innerhalb des Islam nicht ausgenommen sind, insofern Staaten aus dem Engagement für den "Fundamentalismus" eines ihrer Hauptziele gemacht haben. Dafür wurden journalistische Quellen und Agenturmeldungen, Dokumentationen und Augenzeugenberichte ausgewertet, mit einer Beschränkung auf aussagekräftige Ereignisse für jedes einzelne Land. Das Nachrichtenmaterial wurde im Lichte von Studien, die von Experten der Orientalistik durchgeführt wurden, gelesen und interpretiert, um die religiöse und politisch-kulturelle Tragweite der Ereignisse und das Klima, das in jenen Ländern herrscht, zu erhellen. Dabei fanden auch Tendenzen Berücksichtung, die sich aus einer Perspektive von mehreren Jahren zeigen; auch Vergleiche mit der Vergangenheit wurden gezogen.
In der islamischen Welt stößt man auf ein Spektrum mangelnder Achtung des Rechts auf Religionsfreiheit, je nachdem, ob die Verfolgung von den Institutionen eines laizistischen Staatssystems ausgeht (Türkei) oder im Namen der Scharia (Sudan) oder aufgrund der Innenpolitik (Ägypten) oder der internationalen Politik erfolgt. Schließlich gibt es die Gefahr, die von den islamistischen Gruppen ausgeht, die Freiheit und Leben aller aufs Spiel setzen, Muslime und Nicht-Muslime, die sich nicht an die diesen islamistischen Gruppen eigene Korandeutung halten. Am häufigsten trifft man auf das Verbot für die Muslime - rechtlich verankert und nicht nur wegen eines verständlichen Drucks der Gesellschaft - der Konversion zum Christentum und die Behinderung, den christlichen Glaubens in den islamischen Ländern öffentlich zu praktizieren, ganz zu schweigen von Missionierungen. Es handelt sich um eines der vielen Zeichen eines Prozesses von weltweiter Dimension und Tragweite, in dem eine fortschreitende Identifikation der Völker mit ihren Kulturen zu verzeichnen ist, die jedoch nicht imstande sind, Elemente von außen zu integrieren. Die Ablehnung kultureller Beiträge, die von außen kommen und absolut nicht als überlebenswichtig erachtet werden, führt nicht selten zu einer "Implosion", das heißt zu einem Niedergang der betreffenden Kulturen. Urteilskriterien, die Möglichkeiten schaffen, andere Welten zu verstehen, sie in die eigene Tradition zu integrieren und diese damit zu bereichern, braucht jede Kultur, der die Gefahren der Homogenisierung und Globalisierung bewußt sind. Das wird jedoch nicht durch die Ausgrenzung des anderen erreicht, sondern indem wir uns daran erinnern, daß jeder Mensch ein Kind Gottes ist und daß jedes Unrecht, das einem Menschen geschieht, auch seinem Vater angetan wird. Im übrigen - und das ist der entscheidende Aspekt - sind die Kulturen Werkzeuge des Menschen, sie sind für den Menschen da; seine Chancen durch eine Bekehrung dürfen weder kulturell noch institutionell behindert werden. Andrea Morigi |
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