|
Kirche in Not - Italienisches Sekretariat |
Die Religionsfreiheit
in den Ländern mit überwiegend islamischer
Bevölkerung |
|
Ägypten Bevölkerung:
62.110.000
Obwohl Artikel 3 der ägyptischen Verfassung aus dem Jahre 1923 die Gleichheit aller Ägypter vor dem Gesetz ohne Unterschied der Rasse, Sprache oder Religion verkündet, sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Die Tendenz, das ägyptische Rechtssystem zu islamisieren, kam 1971 zur Vollendung, als auf Beschluß des Obersten Verfassungsgerichts die Vorschrift gebilligt wurde, nach der der "Islam Staatsreligion ist und jedes Gesetz gegen den Islam gegen die Verfassung verstößt". Diese Bestimmung garantiert, trotz der 1980 vorgenommenen Änderungen, formell die Gewissensfreiheit, und die Missionierungstätigkeit wird gesetzlich nicht verfolgt. Ein Artikel des Strafgesetzbuches, der Taten verfolgt, die ein Angriff auf die nationale Einheit und den sozialen Frieden sind, wird jedoch gegen jene Muslime angewendet, die sich zum christlichen Glauben bekehren wollen. Augenzeugenberichte mehrerer Verhaftungen wegen solcher Vorwürfe aus dem Jahr 1995 liegen vor, einer aus dem Jahr 1996. Am 4. Januar 1998 wurde Muhammad Sallam, ein ägyptischer Christ, der konvertiert war und bereits mit zwei andere Konvertiten 1990 zehn Monate in Haft war, am Flughafen von Kairo verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht (MEC, 7. Januar 1998 und AED info, Februar 1998). Die geringe bzw. nicht vorhandene Achtung der Religionsfreiheit trifft sicher auch militante Islamisten, woran der Bericht 1998 von Amnesty International erinnert, der die Fälle von 34 mutmaßlichen Mitgliedern der Muslimbruderschaft nennt, die im August 1997 verhaftet wurden, unter der Anklage, einer illegalen religiösen Organisation anzugehören, und einen Monat später wieder freigelassen wurden. Aber das Phänomen, wiederum nach Angaben jener internationalen Organisation, soll Tausende von Fällen betreffen, einschließlich der Anwälte, die sich der Verteidigung der Häftlinge annehmen. Zu den Opfern der Intoleranz gehören auch Dutzende von Jugendlichen, die sich für Rock-Musik begeistern und einen Monat inhaftiert wurden, weil sie beschuldigt wurden, satanische Kulte zu praktizieren. Zahlreiche Gesetze und Maßnahmen, die von dieser Norm abgeleitet werden, handeln in Rechtsangelegenheiten (Erbfolge, Heiraten usw.) dem Gleichheitsprinzip zwischen Christen und Muslimen zuwider. So unterbindet das Gesetz, daß ein Christ das Sorgerecht für ein muslimisches Kind bekommt; in rechtlichen Auseinandersetzungen wird gewöhnlich der Aussage eines Muslimen im Vergleich zu der eines Christen mehr Gewicht beigemessen; den muslimischen Glauben zu verlassen ist verboten, aber das gleiche Prinzip gilt nicht im Falle von Konversionen vom Christentum zum Islam. Ähnliche Diskriminierungen gelten für die Schulgesetzgebung: Ein Christ darf keine Literatur-Fächer unterrichten, während die Kurse in Geschichte, Philosophie und Literatur von antichristlichen Positionen geprägt sind und die christlichen Schüler verpflichtet sind, all das zu lernen. Für den Bereich Presse und Verlagswesen (Erlaß 518 vom 24. Februar 1970) ist festgelegt, daß religiöse Bücher und Veröffentlichungen mit Bezug zum Christentum der Zensur unterliegen; andererseits ist vorgeschrieben, daß der Vertrieb und die Verbreitung islamischer Publikationen in Schulen und Universitäten gefördert werden soll.
Verfolgungen gegen den Klerus und die Kirchen: Das Haupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Amba (Titel vergleichbar mit dem eines Pontifex) Chenouda III., wurde 1981 festgenommen und stand bis 1985 unter Hausarrest. Man kann davon ausgehen, daß seither fast jeder vierte im koptischen Episkopat Maßnahmen der Einschränkung seiner persönlichen Freiheit unterlag. Ursache des Arrests war die Aussage des Patriarchen, er wolle die Gewalttätigkeiten gegen die Kopten anzeigen. Nach einer langen Serie von Gewalttaten und Morden wurde am 17. Juni 1981 ein ganzes Viertel in Kairo, Zawya-el-Hamra, wo Christen und Muslime seit langem beisammen wohnten, überfallen und durch islamische Integralisten mit Brandsätzen und Waffen verwüstet. Obwohl die Zahl der Todesopfer nie genau beziffert wurde, kamen schätzungsweise nicht weniger als 20 Menschen ums Leben und wurden etwa 100 verletzt. Unter den entsetzten Augen ihrer Eltern wurden Kinder aus den Fenstern geworfen, Kirchen in Brand gesetzt, Geschäfte und Wohnungen geplündert: Gruppen fanatischer Islamisten wüteten ungestört zwei ganze Tage lang, ohne daß die Polizei es wagte einzuschreiten. Die Reaktion des damaligen Präsidenten Sadat auf diese Gewalttätigkeiten war die Absetzung am 5. September des Patriarchen Chenouda und sein Hausarrest, von dem bereits die Rede war. Gut einen Monat später, am 6. Oktober 1981, fiel Präsident Sadat einem Attentat eines islamischen Kommandos zum Opfer. Es sind zahlreiche Vergehen und Beschimpfungen dokumentiert, die sich auf den Straßen gegen christliche Ordensleute richten, sowie Überfälle auf Kirchen und Kultstätten. Im Februar 1987 wurden in der kleinen Stadt Sohag (in Oberägypten) nach dem Beginn eines Brandes, der zufällig in der örtlichen Moschee ausbrach, zwei Kirchen - eine koptisch-othodoxe und eine protestantische - von Gruppen integralistischer Islamisten angezündet und schwer beschädigt. Sie waren der Überzeugung waren, daß die Christen am Brand ihrer Moschee schuld seien. Andere Nachrichten von Gewalttaten gegen Christen kamen aus der Stadt Beni-Souef (115 Kilometer südlich von Kairo). Die Zeitschrift Idea spektrum brachte am 12. Januar 1995 die Nachricht, daß in der ägyptischen Stadt Giza drei koptisch-orthodoxe Priester unter dem Verdacht der Anstiftung zu religiöser Konversion verhaftet wurden. Sie wurden angeklagt, den Personalausweis einer ehemals muslimischen Frau durch eine andere religiöse Registrierung gefälscht zu haben. Die Frau hatte in der Kirche S. Dimyane die Taufe empfangen. Am 19. Dezember wurde der protestantische Pfarrer W. Gayyid von der Anklage freigesprochen, er habe religiöse Konversionen veranlaßt. Middle East International informiert am 7. März 1997, daß am 12. Februar 1997 eine koptische Kirche in Oberägypten, in der Nähe des Dorfes Fikriya im Regierungsbezirk Minja, von bewaffneten Männern überfallen wurde. Der Überfall erfolgte anläßlich der wöchentlichen Zusammenkunft der Jugendlichen der Kirche und forderte neun Tote. Am 13. März wurden neun Kopten und vier Muslime von einem islamistischen Kommando in Ezbet Daoud massakriert; dieses Attentat forderte auch 25 Verletzte. Aus koptischen Quellen werden zahlreiche Fälle berichtet der Aufwiegelung zur Gewalt von Gruppen, die von Moscheen ausgehen (in Kafr Denyan haben solche Aufwiegelungen zu Gewalttätigkeiten geführt) und zu Erpressungen und Drohungen gegen Christen. Im September 1997 drangen einige Tage nach der Ankündigung einer Marienerscheinung nahe der Kirche von Shartana el Hagar Hunderte von Islamisten in das Dorf ein und schrien antichristliche Slogans, sprachen Drohungen aus und raubten Güter der Christen (vgl. auch CWR 11/97; AED info 2/1998). Die deutsche Presseagentur KNA informierte am 14. Februar 1997, daß militante Muslime in der ägyptischen Stadt Abu Qurquas neun Kopten getötet und fünf weitere schwer verletzt haben. Ein weiterer Mann erlag später den Folgen seiner Verletzungen. Als die Polizei den Vorfall in der Hauptstadt gemeldet hatte, drangen bewaffnete Männer drei Tage später abends in eine Kirche 200 Kilometer südlich von Kairo ein; sie hatten das Dorf umstellt und mit Maschinengewehren auf die Menschen geschossen. Wahrscheinlich gehörten sie zur militanten Gruppe Jamaa islamiya. Seit 1992 sind ca. 1170 Personen von den Fundamentalisten getötet worden, darunter zahlreiche Christen. Die Anführer der integralistischen islamistischen Bewegungen fordern die Muslime Ägyptens zur Diskriminierung der christlichen Mitbürger auf. Im April 1997 erklärte die oberste Führung der Muslimbruderschaft, daß, wenn Ägypten ein islamischer Staat werden wird, "die Christen nicht mehr in der Armee Dienst tun können, weil sie im Falle eines Konflikts mit einem christlichen Land das Bündnis wechseln und zu Spionen des Feindes werden könnten". Aus dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel vom 14. April 1997 ist zu erfahren, daß die militante islamische Bruderschaft ihre Kampagne begonnen hat gegen 10 Mio. koptische Christen. Ihr Anführer, Mustafa Maschur, habe dazu aufgefordert, die Kopten aus den staatlichen Behörden und dem Militär zu entfernen und christliche Minister aus der Regierung auszuschließen. In dem Bericht der KNA-OKI vom 30. September 1997 wird bekanntgegeben, daß die Anrufung "Gott ist unendlich groß" im Lande am Nil zu einer Kriegserklärung gegen die Touristen und gegen die ägyptischen Christen geworden ist. Vier Kopten, ägyptische Staatsbürger, wurden in der Provinz Minja von einem Islamisten-Kommado ermordet. Die Opfer, die zu jener Minderheit von 4 Mio. Christen in Ägypten gehören (die Kopten sprechen allerdings von 9. Mio.), waren Bauern wie ihre muslimischen Nachbarn und saßen im Moment der Bluttat vor ihren Häusern im Dorf Kafr Ruman, 300 Kilometer südlich von Kairo. Die Polizei ist der Überzeugung, daß es sich um die integralistische muslimische Organisation Jamaa islamiya handelte. Das Ziel der Integralisten in diesen letzten Jahren besteht darin, den Hahn der Einnahmen aus dem Tourismus zuzudrehen, um so die Regierung zu schwächen und das Land ins Chaos zu führen. Auf diese Weise soll dann der Aufbau einer islamischen Gottesstadt leichter sein. Der Druck der Regierung und die starken Schutzmaßnahmen für die Ausländer haben zu einer Verringerung der Terrorakte geführt. Seit 1992 zählte man über 1000 Zivilopfer, einschließlich der Integralisten und Polizeibeamten. Aber ist das ein Heiliger Krieg gegen die Christen? Die Situation ist nicht klar, wie auch die genaue Zahl der Christen im Lande nicht eindeutig ist: Die Zahl schwankt zwischen 2 und 9 Mio., je nach Quelle. Praktisch ist jede Missionierungstätigkeit verboten; in den Städten sind 90 Prozent der Einwohner Muslime, und der Integralismus stellt eine tägliche Bedrohung dar. In einem Interview, das der koptisch-katholische Bischof von Minja, Msgr. Antonios Naguib, im Oktober 1997 gab, erkärte er, daß die islamischen Extremisten in den letzten fünf Jahren den Tod von ca. 1100 Personen verursacht hätten, darunter 220 Christen in Mittel- und Oberägypten (DC, 5. Oktober 1997). Nach Aussagen eines koptischen Priesters aus Kairo, so informiert die Agentur Fides, sind die jüngsten Gewaltausbrüche der Integralisten auf die Verwurzelung des Fundamentalismus im ägyptischen Bildungssystem zurückzuführen. In der Tat sind die Fälle häufig, daß Schüler, die religiösen Minderheiten angehören, stark diskiminiert und schlecht behandelt werden. Es ist beispielsweise passiert, daß christlichen Mädchen in den Grundschulen der Schador aufgezwungen wurde und daß die Behörden auf die katholischen Schulen starken Druck ausgeübt haben. Es ist kein Zufall, daß der für das Bildungswesen zuständige Minister Husein Kamel Bahaedin nach dem Massaker in Luxor am 17. November 1997 verkündete, er habe 1600 Lehrer aus dem öffentlichen Lehramt in Verwaltungsdienste versetzt. Die Politik der Regierung besteht laut Pater Boulos Garas, dem nationalen Leiter des Päpstlichen Missionswerkes in Ägypten, darin, die Präsenz der Kirche zu ignorieren, weil die Katholiken als Halb-Ausländer betrachtet werden. Offiziell sind die Christen Ägyptens die koptischen Orthodoxen; die Katholiken leiden unter dieser Situation, die sie zu einer Minderheit innerhalb der Minderheit macht. Gegenüber den Christen werden auch starke soziale und wirtschaftliche Repressalien ausgeübt, so daß viele das Christentum aufgeben, nur um unter besseren Bedingungen zu leben. Trotzdem werden die Christen weitgehend respektiert; im interreligiösen Dialog gab es positive Momente, und die Bevölkerung zeigt keine Feindseligkeit gegenüber den Christen (vgl. Fides, Februar 1998). Idea spektrum berichtet am 19. Februar 1998, daß der Rat der Kirchen im Nahen Osten einen Appell an die ägyptischen Christen gerichtet hat, sie sollten das Land nicht verlassen, weil er der Ansicht ist, daß die Auswanderung keine Antwort auf Diskriminierungen ist. Jedes Jahr wandern ca. 10.000 nach Kanada oder Australien aus, während sie nach Auffassung des Rats einen integralen Bestandteil der arabischen Welt bilden. Dennoch gibt es in den 26 ägyptischen Provinzen keinen einzigen koptischen Gouverneur. Von den 127 Botschaften im Ausland wird keine einzige von einem christlich-koptischen Botschafter vertreten. Darüber hinaus haben nur zehn der 3600 staatlichen Unternehmen einen Vorsitzenden, der dieser Religion angehört. Der Rat der Kirchen im Nahen Ostens sagt, es bedürfe keines Schutzes von außen, sondern einer Vertiefung des Dialogs im Blick auf die Diskriminierungen. Nach der Erklärung des Rates der 27 Kirchen, die 14 Mio. Gläubige vertreten, bleibt die Situation der Orthodoxen, Katholiken und Protestanten in jedem Fall kritisch, ebenso wie in den anderen Ländern der Arabischen Liga, deren Bevölkerung zu zehn Prozent aus Christen besteht. Andere Darstellungen und Interpretationen gibt Ecumenical News International -ENI News Service am 26. März 1998, wonach der Leiter einer Delegation amerikanischer Pastoren, Calvin Butts III., Präsident des Rates der Kirchen in New York, bei seinem Ägyptenbesuch im März erklärt hat, die Nachrichten über massenhafte Verfolgungen der Christen in einer Nation mit überwiegend islamischer Bevölkerung seien übertrieben. Nach dem World Churches Handbook - das die Ägypter auf 61 Mio. schätzt - sollen in dem Land 8,7 Mio. Christen leben. Die größte Kirche sei die koptisch-orthodoxe, mit 8 Mio. Anhängern. Es gäbe vereinzelt Fälle von Gewalttätigkeiten, aber die Beziehungen seien im allgemeinen ausgesprochen gut, nicht zuletzt dank der Unterstützung der Regierung. Viele Führer der Kirchen im Nahen Osten fürchten, daß die Interventionen ausländischer Regierungen, vor allem jener der Vereinigten Staaten, für eine bessere Behandlung der Christen, zu Mißverständnissen führen können und zu Ressentiments gegenüber den Religionen, die man verteidigen möchte. Die Zahl der Tötungsdelikte, bei denen Christen umkamen, übersteigt nicht die in der Bevölkerung allgemein. Den Terroristen ist daran gelegen, die Regierung zu destabilisieren und nicht die Christen zu töten. Was die Zwangskonversionen zum Islam und die Tötung von konvertierten Muslimen betrifft, sagen die christlichen ägyptischen Führer, daß das ganz selten vorkommt. Es ist wahr, daß es große Schwierigkeiten gibt, Kirchen zu bauen oder zu restaurieren, aber es gibt beispielsweise keine Diskriminierungen für die Christen, die mit der Regierung arbeiten. Der reichste Mann des Landes ist ein ägyptischer Christ. Gleichzeitig haben Vertreter der amerikanischen Kopten-Union eine Pressekonferenz organisiert, um darauf aufmerksam zu machen, daß die Übergriffe gegen Christen durchaus keine Einzelfälle sind, sondern regelmäßig passieren. Die Regierung biete ihrer Meinung nach keinen ausreichenden Schutz und arbeite sogar mit den Terroristen zusammen. Nach einem Bericht der Presseagentur Catholic News Service am 3. April 1998 hat der ägyptische Außenminister, Amre Mussa, das Etikett "Terrorismus" für den Islam abgelehnt und gesagt, daß es diese Form von Gewalt in christlichen und jüdischen Ländern ebenso gebe. Er sprach von einem Komitee für den christlich-muslimischen Dialog, das im Mai zusammentreten sollte, und wünschte sich eine vernünftige und tolerante Annäherung zwischen den beiden Religionen. Nach Aussage des Ministers gibt es Gruppen, die die Religion als Deckmantel nehmen, um terroristische Taten zu begehen. Die International Herald Tribune vom 14. April 1998 bringt die Nachricht einer Gesetzesvorlage in den Vereinigten Staaten zur Reduzierung der Verfolgungen religiöser Minderheiten, die in Ägypten zu Wutausbrüchen geführt hat. In der Vorlage ist die Rede von Wirtschaftssanktionen gegen jene Länder, die religiöser Diskriminierungen schuldig sind. Sie stößt auf die Opposition der ägyptischen Kopten, die die größte christliche Minderheit in der arabischen Welt bilden. Die Maßnahme scheint das Gesuch derer zu unterstützen, die die amerikanische Wirtschaftshilfe an Ägypten abschaffen wollen, die seit dem Abkommen von Camp David ein Grundpfeiler der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten war. Dies geschieht in einem Moment, in dem die arabische Welt mit Argwohn auf die Amerikaner schaut, die zweierlei Maß Gerechtigkeit anlegt, zum einen gegen die Araber und Muslime und zum anderen, indem sie die Verletzungen der Rechte der Palästinenser durch die Israeli übergeht. Doch es gibt Diskriminierungen, wie beispielsweise die Behinderungen beim Bau oder bei der Restaurierung von Kirchen oder daß in den Lehrplänen der höheren Schulen unterschlagen wird, daß die Kopten einen Einfluß hatten, bevor der Islam kam. Die Kopten sind zum Großteil vom politischen Leben, von Regierungsämtern und bedeutenden akademischen Positionen ausgeschlossen, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Human rights without frontiers berichtet am 8. August 1998 von einer "Eskalation der Verfolgungen gegen die Christen" und gibt bekannt, daß am 27. Juli 1998, ohne daß vorher auch nur irgendein Hinweis auf eine solche Initiative vorlag, die ägyptischen Sicherheitskräfte eine koptische Kirche in Maadi, nahe Kairo, zwangsweise geschlossen haben. Eine Gruppe von Soldaten, die von höheren Offizieren geführt wurde, überfiel die Kirche und versiegelt alle Zugänge, einschließlich der Fenster. Ein Sprecher der Sicherheitskräfte erklärte, die gewaltsame Aktion sei notwendig geworden, weil die Kirche nicht die erforderlichen Genehmigungen habe. Die Kirche war vor vier Jahren auf einem der koptischen Kirche gehörigen Grundstück in der Diözese Maadi errichtet worden. Die Gemeinde nutzte die Kirche für den sonntäglichen Gottesdienst, obwohl sie die offizielle Genehmigung noch nicht erhalten hatte; die tatsächliche Wahrheit liegt darin, daß solche Genehmigungen auch erst nach zehn Jahren erteilt werden können; bislang war es jedoch Usus, daß gegen die Abhaltung des sonntäglichen Gottesdienstes nichts eingewendet wurde. Wenige Wochen vor diesem Zwischenfall wurden drei koptische Christen vermutlich von militanten Islamisten in einem Ort ca. 320 Kilometer südlich von Kairo getötet. Drei koptisch-orthodoxe Ordensmänner wurden laut Bericht der Human rights without frontiers vom 21. Oktober 1998 von einem ägyptischen Richter angeklagt, sie hätten sich in die Untersuchungen einer Mordsache eingemischt, die Mitte August 1998 von zwei Christen in einem Dorf in Nordägypten begangen worden war. Der koptisch-orthodoxe Bischof Wissa in Baliana, der zum Staatsanwalt des Regierungsbezirks Sohag gerufen wurde, wurde zusammen mit zwei weiteren Priestern seiner Diözese beschuldigt, gegen fünf Artikel des ägyptischen Strafgesetzbuches verstoßen zu haben. Die beiden Priester sind Pater Antonious Fouad Hannam und Pater Chenouda. Bischof Wissa hatte Anfang Oktober ägyptische Gruppen, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte engagieren, mit einer Dokumentation kontaktiert, in der festgestellt wurde, daß wenigstens 1000 Christen des Dorfes El-Kosheh (dessen Bevölkerung zu 80 Prozent christlich ist) verhaftet worden seien, schikanösen Verhören unterzogen wurden und von der Polizei mißhandelt worden seien, die die Untersuchungen im Falle des zweifachen Mordes durchführten. Obwohl die Mißstände den örtlichen Polizeibehörden durch den Bischof angezeigt worden waren, sei es mehrere Wochen lang zu immer neuen Verhaftungen gekommen. Die ägyptische Menschenrechtsorganisation (EOHR) bestätigte nach einer Ermittlung, daß es 1200 Christen sind, die während der Untersuchungen monatelang in Haft gehalten wurden. Nach Angaben der EOHR geht die Polizei "von der Vermutung aus, daß der Verantwortliche ein Christ ist". Die Nachricht von den Anklagen wurde bestätigt vom Verantwortlichen der Abteilung für Menschenrechte im ägyptischen Außenministerium, dem Botschafter Nayla Gabr. Er teilte Compass mit, daß dem Bischof und den beiden Ordensmännern vorgeworfen würde, sie hätten "für die Ermittlungen wichtige Informationen unterschlagen" und "auf Zeugen Einfluß genommen, damit sie ihre Aussage änderten". Nach der Aufdeckung der Mißstände hat die Polizei gesagt, daß sie den Verantwortlichen ermittelt habe, einen Christen und Cousin eines der Opfer. Der Staatsanwalt in Dar al-Salaam hat am 22. September 1998 den Verdacht formell zur Anklage erhoben. Dennoch gibt es zwei Zeugen der Untersuchung, beides Christen, die sich am 7. Oktober an den Staatsanwalt gewandt haben, um zu erklären, daß ihre Aussage unter Folter erpreßt worden sei und deshab falsch sei. Sie wurden zwei Tage vor der Festnahme der drei Ordensmänner wegen Falschaussage verhaftet. Andere Anklagen gegen Vertreter der koptisch-orthodoxen Kirche beziehen sich auf Vergehen gegen die nationale Einheit und den sozialen Frieden, die Verwendung der Religion, um zum Aufstand aufzuwiegeln, und die Äußerung von Kritik in religiösen Zusammenkünften am Verhalten der Regierung. In einem Brief an den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak beschuldigte Lord David Alton, ein Mitglied des Britischen Oberhauses, die ägyptische Regierung, sie unternehme "Versuche zur Einschüchterung des christlichen Klerus" durch strafrechtliche Anklagen, statt "die Polizeibeamten zu bestrafen, die für diese schweren Vergehen gegen die Menschenrechte verantwortlich sind". Die Namen der in den Fall verwickelten Polizeibeamten lieferte der koptische Anwalt Morris Sadek auf einer Liste, die die Namen des Gouverneurs von Sohag, Mohammed Abdul Aziz Bakar, und des Polizeidirektors von Sohag, Khalil Makhlouf, umfaßt, die als "unmittelbare Verantwortliche" für die Vergehen gegen die Christen in El-Kosheh verantwortlich gemacht werden. - "Wenn das Beste, was den ägyptischen Behörden einfällt, darin besteht, diese Ordensmänner strafrechtlich zu belangen", so schreibt Lord Alton in seinem Brief, "ist das ein eindeutiges Indiz dafür, daß die ägyptische Regierung selbst bei der Verfolgung der Christen in ihrem Land ihre Hand im Spiel hat". Nachdem sie vom Staatsanwalt verhört worden waren, wurden die drei Ordensmänner freigelassen in Erwartung eines Urteils, ohne daß ein Termin festgelegt wurde, und nach Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 100 ägyptischen Pfund, was ca. 200 DM entspricht, pro Person. Die Verfolgung der Kopten scheint übrigens die klassischen Formen des Martyriums der Christen anzunehmen, wenn man den Bericht von Christina Lamb zugrunde legt, der in der englischen Tageszeitung The Telegraph am 25. Oktober 1998 veröffentlicht wurde, in denen von Entführungen mit anschließenden Kreuzigungen die Rede ist, die von ägyptischen Sicherheitskräften durchgeführt werden. Während der Überfälle auf das Koptendorf El-Kosheh, in der Nähe von Luxor, seien einige Heranwachsende entführt worden und auf den Polizeistationen seien drei Monate alte Säuglinge in Gegenwart ihrer Mütter mit Stöcken geschlagen worden. Die Nachrichten, die verbreitet werden, trotz des Terrors, der die Menschen daran hindert zu sprechen, sind bis vor den Kongreß der Vereinigten Staaten gelangt, wo 29 Parlamentarier einen Appell an Präsident Mubarak unterzeichneten und ihn darum baten, den Mißhandlungen ein Ende zu setzen. Die Kreuzigungen sollen geschehen in Gruppen zu je 50 Personen, die buchstäblich an Kreuze genagelt wurden oder an Türen gebunden wurden, wobei sie miteinander an den Beinen gefesselt wurden und dann geschlagen und gefoltert wurden unter Einsatz von elektrischem Strom im Genitalbereich. Dies habe die Polizei getan, die sie beschuldigte, "ungläubig" zu sein. Der elfjährige Romani Boctor wurde mit einem Eletrokabel an die Decke gehängt und in dieser Position mißhandelt. In dieser Angelegenheit hat auch ein italienischer Parlamentarier Stellung bezogen, der Abgeordnete Marco Zacchera, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Parlaments. Er schrieb am 10. November 1998 einen Brief an den ägyptischen Präsidenten Mubarak, in dem er ihn darum bittet zu intervenieren, "um den Ägyptern zu garantieren, daß sie ihren Glauben frei leben können, wobei von den Gouverneuren, den Polizeikräften und den Verantwortlichen vor Ort eine gerechte und ausgeglichene Haltung garantiert wird, in der die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung Ägyptens mit der Anerkennung der Religionsfreiheit übereinstimmt". Ferner richtete der Abgeordnete Zacchera einen Anfrage an den Außenminister Dini, um die italienische Regierung zu bitten, "dieses Problem der Aufmerksamkeit all unseren diplomatischen Stellen zuzuführen". |
|