Kirche in Not - Italienisches Sekretariat

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Die Religionsfreiheit in den Ländern mit überwiegend islamischer Bevölkerung
Bericht 1998


Afghanistan

Bevölkerung: 21.138.000
Religionszugehörigkeit: Islam 99% (75% Sunniten, 24% Schiiten); kleine Minderheiten der Hindu- und Sikh-Religion


 

Die ganz geringe Minderheit im Lande lebender Christen besteht hauptsächlich aus Ausländern; funktionierende kirchliche Strukturen sind nicht vorhanden. Jede Art der Missionierung ist untersagt; der Islam ist Staatsreligion.

Bis 1973 war Afghanistan eine Monarchie und nahm dann eine Ordnung nach republikanischem Muster an. 1977 wurde eine Verfassung verabschiedet, die es in einen Einparteienstaat umwandelte, mit dem Islam als Staatsreligion. 1979 wurde im Zuge der sowjetischen Intervention eine sozialistisch-kommunistische Regierung eingesetzt, die von der UdSSR unterstützt wurde. Im Jahre 1989 gelang es den Muslimen, aufs neue die Macht zu erobern. Nach dem Rückzug der Sowjettruppen begann der Bürgerkrieg unter den Muslimen, die in Fundamentalisten und gemäßigte aufgespalten sind. Die ersteren gewannen die Oberhand und behielten sie durch die Aktivitäten der sunnitischen Taliban, während letztere eine von Ahmed Schah Massud geführte Exilregierung bildeten, in den Regionen jenseits des Panshir-Tals und im Nordosten, in den Provinzen Takhar und Badakhshan. In diesen Gebieten werden gewisse Rechte beachtet, wie der Schulunterricht für Mädchen. Von den Verbündeten Massuds, den von Haji Mohaqiq geführten Hazara-Schiiten, gehören zehn Frauen zum Zentralkomitee der Partei.

Die Taliban, religiöse islamistische Studenten, die von Mullah Omar geführt und nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen von Pakistan unterstützt werden, kontrollieren die restlichen zwei Drittel Afghanistans. Sie fahren fort mit Mahnungen gegen die Verderbnis des Westens, obwohl sie von den Vereinigten Staaten durch die Unocal wirtschaftlich unterstützt wurden. Eines von vielen Verboten betrifft das Fernsehen. Alle Einwohner wurden von den Behörden aufgefordert, sich der Fernsehapparate zu entledigen, weil sie Verderbnis bringen. Auch die internationalen Ausbildungszentren für Mädchen und die Privatschulen sind geschlossen worden. Die Frauen wurden gezwungen, den Schleier in seiner kompletten Variante zu tragen; die Männer mußten sich den Bart wachsen lassen, der nicht länger als zehn Zentimeter sein darf. Nach den in Afghanistan rechtskräftigen Anordnungen müssen die Frauen normalerweise abgeschlossen im Haus bleiben, sobald sie aus dem Kindesalter heraus sind bzw. nach dem achten Lebensjahr, wenn sie nicht in Begleitung eines männlichen Verwandten sind. Nach dem Jahresbericht 1998 von Amnesty International wurden Hunderte von Frauen angehalten und geschlagen, weil sie sich nicht den Anordnungen der Taliban gefügt hatten. Viele Schulen, in denen sie das Nähen und Knüpfen von Teppichen erlernten, nicht zuletzt um ihnen eine Beschäftigung zu geben für den Wiederaufbau des Landes, das durch 20 Jahre Krieg verwüstet ist, werden jetzt geschlossen. Auch bei Krankenhausaufenthalten und für den Transport in öffentlichen Verkehrsmitteln wurden Maßnahmen zur Trennung der Geschlechter getroffen.

Die italienische Tageszeitung La Repubblica machte durch ein Interview mit dem Sprecher der "Internationalen Islamischen Front" für Europa, Omar Bakri, publik, daß zum Islam konvertierte Italiener in afghanischen Lagern ausgebildet werden. Dabei behauptete er, daß "sie eine heilige Pflicht erfüllen, die von Allah allen jungen Männern mit guter Gesundheit auferlegt ist. Der Koran schreibt vor, daß der Muslim fähig sein muß, mit Waffen umzugehen, und zum Dschihad bereit sein muß". Die Ausbildung zielt auf den Kampf "gegen ausländische Armeen, die muslimisches Land besetzen".

Afghanistan ist außerdem einer der weltweit größten Opium-Produzenten. Der Journalist Ettore Mo berichtet im Corriere della Sera vom 23. November 1998 über ein Gespräch mit einem Taliban namens Khaled, der äußerte: "Wenn das Heroin im Westen viele Opfer fordert, ist das nicht so schlimm: Es sind ja keine Muslime."

In dem Land findet u.a. Scheich Osama Ben Laden Zuflucht, dem die Vereinigten Staaten vorwerfen, den internationalen islamischen Terrorismus zu fördern, und der für die Bombenanschläge auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 verantwortlich gemacht wird.

In mehreren Reportagen, darunter jene von Fausto Biloslavo in Il Giornale, wird über das im Lande herrschende Terrorklima berichtet, in besonderer Weise im Blick auf die ethnische Minderheiten der bei den Taliban verhaßten Hazara und der Tagiki, die zum größten Teil den Paschtunen im südlichen Afghanistan angehören. Laut Amnesty International im Bericht 1998 sind ca. 2000 Menschen dieser beiden Volksgruppen im Monat Juli aus ihren Häusern geholt und inhaftiert worden. Die gesamte Bevölkerung wird gesellschaftlich durch Kontrollen reglementiert, die sogar bis ins Innere der Privatwohnungen reichen, wo die Häufigkeit des Gebets überprüft wird. Ferner wurde der Gebrauch der persischen Sprache verboten, weil sie aus dem Iran kommt, einer für die gegenwärtigen afghanischen Machthaber feindlichen Nation. Im November 1998 informierte die Zeitung Avvenire, indem sie den Taliban-Sender Radio Shari'at zitierte, die "Religionspolizei" habe brutal vorgehend umfassende Aktionen durchgeführt, um die Verletzungen der dem Land auferlegten islamischen Gebote zu bekämpfen. Besonders stark war davon die Stadt Pul-e-Kumri betroffen, wo die ismaelitsch islamische Minderheit sehr zahlreich ist, die einst von dem Amerikaner afghanischer Abstammung Sayed Jaffer geführt wurde, der sich, nachdem er gegen den sowjetischen Einmarsch gekämpft hatte, mit den Oppositionskräften verbündete, als die Taliban an die Macht kamen.