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Kirche in Not - Italienisches Sekretariat |
Die Religionsfreiheit
in den Ländern mit überwiegend islamischer
Bevölkerung |
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Irak Bevölkerung:
22.219.000
Der Islam ist Staatsreligion. Der Artikel 25 der Verfassung garantiert den Minderheiten die Religionsfreiheit. Das moderne Irak ist Erbe eines Landes sehr alter Zivilisationen und großer Reiche, wo seit jeher verschiedene Glaubensrichtungen, Kulturen und Volksgruppen zusammengelebt haben. Seine jüngste Geschichte - nach dem Zusammenbruch, der auf die osmanische Herrschaft folgte - ist eine Abfolge von Staatsstreichen, Aufständen und ethnischen Auseinandersetzungen, an denen die entwickelten Länder im Rahmen der Spannungen zwischen Ost und West einen erheblichen Anteil hatten. Der gegenwärtige Präsident der Republik, Saddam Hussein (an der Regierung seit 1979), ist Exponent der Bath-Partei, einer politische Kraft, die ihre Wurzeln im Pan-Arabismus laizitischer und nationalistisch-sozialitischer Prägung hat. Im Laufe der Zeit jedoch schob Saddam Hussein schrittweise Bezüge zum Islam in den Vordergrund und setzte sich als Verteidiger des "wahren Glaubens" in Szene. Der Irak besteht aus einem Mosaik von Völkern und Volksgruppen, die sich in ihren Beziehungen nicht immer leicht tun: Die klarste Trennungslinie ist die zwischen den im Süden lebenden Arabern und den im Norden siedelnden Kurden. Unter diesen Kurden lebt eine Minderheit von Christen, die als assyrische Chaldäer bekannt sind, eine der ältesten christlichen Gemeinschaften des Orients, die auch den Gebrauch der syrischen Sprache bewahrt hat, einer Variante des Aramäischen, das als ursprüngliche Sprache Christi bekannt ist. Die Präsenz alter christlicher Gemeinschaften, die von Klöstern und Abteien bezeugt wird, die ins 5. oder 6. Jahrhundert zurückreichen, verweist auf das 2. Jahrhundert, als das Christentum in die Regionen von Edessa, Ktesiphon und Nisibis kam. Gegenwärtig erfreuen sich die Christen im Irak einer wirklichen Toleranz; zur Regierung gehören auch christliche Minister wie der Chaldäer Tarik Aziz, der bekannte Vize-Premierminister. An Schwierigkeiten mangelt es jedoch nicht: Nach dem Zeugnis von Pater Timothy Radcliffe (Generaloberer der Dominikaner), der von Fides am 24. April 1998 nach seiner Rückkehr einer Reise in den Irak interviewt wurde, "leben die Christen - vor allem die Jugendlichen - im Lande einen Moment großer Schwierigkeit, der zum besorgniserregenden Phänomen der Auswanderung führt. Jene, die nichts ins Ausland gehen - so fährt Pater Radcliffe fort - werden starkem Druck ausgesetzt, Musliminnen zu heiraten". Die Daten, die zurückgehen auf die Zeit nach dem Golfkrieg sprechen von einer Auswanderungswelle von 150.000 Christen aus dem Irak. Ähnlich ist das Bild, das man den Worten des Cyrille Emmanuel Benni aus Mossul entnimmt, der mit Besorgnis das Beispiel der Region Karakosch beschrieben hat, wo 22.000 Christen leben. Die Kontrolle der Regierung über die öffentliche Bildung ist sehr streng, so daß es nicht leicht ist, nicht-islamisches religiöses Schrifttum einzuführen; die von der Kirche geleiteten Schulen sind seit langem geschlossen. Nach dem Gesetz müßte die christliche Religion dort unterrichtet werden, wo die Christen mehr als 25 Prozent sind, auch wenn diese Regel in den Städten nicht beachtet wird, im Gegensatz zu den Dörfern. Die Spannungen arten auch in echte Gewaltakte gegen die Christen aus, vor allem gegen die assyrisch-chaldäische Minderheit. Am Abend des 12. Mai 1996 wurden in dem Ort Ankaoua (im irakischen Kurdistan) einige assyrische Chaldäer der Studenten-Union und assyrisch-chaldäische Jugendliche ermordet oder verletzt von einer Gruppe Kurden, die grundlos das Feuer auf sie eröffnete. Samir Mouché und Peres Mirza Sliwo wurden getötet, während zwei weitere Jugendliche verletzt wurden. Diese beiden Tötungsdelikte sind die letzten einer Reihe von etwa 30, die nach dem April 1991 gegen die Gemeinschaft der assyrischen Chaldäer im Norden des Irak begangen worden sind. Am 10. Februar 1197 wurden Lazar Matta und sein Sohn Aval in den Straßen von Chaklawa, im Norden des Landes, von einer Menge von Hunderten von Kurden brutal massakriert. Die Akte antichristlicher Verfolgung, deren Opfer die assyrischen Chaldäer sind, werden auch im Report on Religious Freedom des amerikanischen Außenministeriums zitiert sowie in offiziellen Berichten der Vereinten Nationen. In letzteren ist die Rede von einer "fortgesetzten Diskriminierung und Verfolgung der assyrischen Chaldäer während des ganzen Jahres 1996". Es herrscht keine Meinungsfreiheit: Was die Kirche zwei Menschen sagen darf, das wird zum Motiv für ein Todesurteil, wenn es in der Öffentlichkeit ausgesprochen wird. Die Christen erleiden vielfältige Diskriminierungen. Die religiösen Bildungseinrichtungen sind verstaatlicht worden, aber Saddam Hussein ist es gelungen, eine gute Beziehung aufrechtzuerhalten, auch durch Finanzierungen. Dem außenstehenden Betrachter mag die Kirche nahe am Regime erscheinen, aber für die Christen ist das Terror-Regime noch das kleinere Übel. Sie können sich nichts Gutes erwarten, weder vom Verfall des Staates noch von einer islamischen Revolution. Es ist schwierig, an eine Ära zu denken, wenn Saddam Hussein nicht mehr sein wird. Der Präsident hat den Bau christlicher Gebäude unterstützt. In Karakosh gibt es ein großes Pfarrei-Zentrum, das mit Hilfe von "Kirche in Not" gebaut wurde. 20.000 Christen leben in diesem seltenen Beispiel eines christlichen Ortes. Verzweifelt bleibt die Situation im Nord-Irak, wo die Kurden noch kämpfen. Hunderte von Dörfern, wo auch Christen lebten, sind zerstört und niedergebrannt worden, 150 Kirchen und Klöster wurden zerstört, und die Zahl der Christen nimmt derzeit immer mehr ab. |
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