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Kirche in Not - Italienisches Sekretariat |
Die Religionsfreiheit
in den Ländern mit überwiegend islamischer
Bevölkerung |
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Libanon Bevölkerung:
(Schätzung 1997) 3.000.000
Die letzten fünfzig Jahre der libanesischen Geschichte sind geprägt von der fortschreitenden Zersetzung der politischen und gesellschaftlichen Einheit, bis hin zum Ausbruch des Bürgerkrieges zwischen maronitischen Christen und Muslimen in der Mitte der siebziger Jahre. In den darauffolgenden Jahren geriet der Libanon immer mehr ins Visier seiner Nachbarländer (vor allem Syrien und Israel). Es war im Innern zerrissen von einem internen Konflikt und von starken Spannungen mit der zahlenmäßig starken palästinensischen Gemeinschaft und wurde schließlich zum Schauplatz einer zweifachen territorialen Besetzung: im Süden durch Israel in der sogenannten "Sicherzeitszone" und in der Bekaa-Ebene durch die Syrer. 1982 ging Israel mit der Operation "Frieden in Galiläa" zur Generalinvasion des Libanon vor, um die palästinensische Bedrohung an seinen Grenzen auszuschalten; der relative militärische Erfolg endete jedoch in der Übergabe des Libanon an Syrien, das gegenwärtig dort eine Art Protektorat ausübt und die Guerilla der PLO durch die Untergrundkämpfer des islamischen Fundamentalismus ersetzt. Der Krieg, der den Libanon mit Blut überzogen hat, stürzte in der Tat das Modell des interreligiösen Zusammenlebens, das dem Libanon Wohlstand gebracht hatte, in eine Krise. Nach der Schaffung des Staates im Jahre 1920 erlaubte es vor allem der sogenannte "Nationalpakt", der 1943 zwischen den wichtigsten Religionsgemeinschaften im Libanon ausgehandelt worden war, der christlich- maronitischen und der islamischen Gemeinschaft, viele Jahre in friedlicher Koexistenz zu leben. Der Nationalpakt sah eine Aufteilung der politischen und öffentlichen Ämter im Proporz zur Bedeutung der Gemeinschaften vor: Es handelt sich um ein System gegenseitiger Garantien, das darauf abzielt, die Vorherrschaft einer Gemeinschaft über die andere zu verhindern. Obwohl der Pakt noch in Kraft ist, haben die Niederlage der Maroniten im Bürgerkrieg, die militärische Besetzung durch die Syrer und der Exodus vieler Christen aus ihren Heimatgebieten zu einer besorgniserregenden Situation geführt. Mit der Niederlage der christlichen Seite im Jahre 1983 hat sich die Situation für die Christen im Libanon schrittweise verschlechtert, vor allem weil sie vom Westen im Stich gelassen wurden. Über drei Viertel der Opfer des Krieges - so hat Didier Rance geschrieben - waren Christen. Zu ihnen muß man nicht nur die Opfer der Bombardements und Terroranschläge zählen, sondern auch jene, die vorsätzlich wegen ihres christlichen Glauben umgebracht wurden. Unter diesen Opfern findet sich eine Reihe von Priestern, über 30 Ordensmänner und Ordensfrauen, Laien und Kinder. Wir berichten hier nur von einigen Fällen, darunter diejenigen, die Didier Rance in Chrétiens du Moyen-Orient. Témoins de la croix (Christen im Nahen Osten. Zeugen des Kreuzes) aufgezeichnet hat. In der Bergregion des Chouf wurden zwischen Ende August und dem 2. Oktober 1983 über 1200 Christen massakriert, und ca. 1000 sind spurlos verschwunden. Zu diesen absichtlichen Massakern gesellt sich die systematische Zerstörung jeglicher Spur christlicher Präsenz. Walid Joumblatt, der Anführer der Drusen-Milizen und ehemalige Vizepräsident der Sozialistischen Internationale, brüstete sich damit, er habe 4000 Christen massakriert; seinen Besuchern zeigte er die Beute der Raubzüge seiner Männer, darunter Glocken von geplünderten Kirchen. Im Dezember 1984 wurde Ghasibé Kayrouz ermordet, ein libanesischer Seminarist; vorher waren drei Freunde von Ghasibé, mit denen der Jugendliche an einem Exerzitienkurs teilgenommen hatte, ermordet worden. Ghasibé wurde ermordet, als er am 22. Dezember in sein Dorf Nabha heimkehrte. Einige Monate später passierte das Pater Nicolas Kluiters, dem geistlichen Führer Ghasibés. Als der Jesuitenpater Kluiters am 14. März 1985 von Beirut zurückkehrte, wohin er gefahren war, um seinen Paß zu erneuern, wurde er entführt; seinen Leichnam fand man am 1. April 1985 in einer 97 Meter tiefen Schlucht in der Nähe des Dorfes Nabha. Die Situation verschlechterte sich, als Präsident Michel Aoun das Land verließ, und mit dem militärischen Sieg Syriens, das mit den Abkommen von Taif am Ende des Krieges im Oktober 1989 dem Libanon seine Herrschaft aufzwang. Es machte den Libanon zu einer quantitativen Größe im politischen Machtpoker, ohne dem historischen Beitrag zur Zivilisation beim Aufbau des Landes, den die Christen geleistet haben, Rechnung zu tragen. Dis islamische Hisbollah-Partei fordert darüber hinaus die Errichtung eines islamischen Staates und die Anwendung des islamischen Rechts auf Christen und Juden. Eine nachfolgende Krise registrierte man nach dem Sprengstoffattentat in einer Kirche in Zouk Mosbeh, in der Nähe von Jounieh, am 27. Februar 1994, bei dem 9 Personen getötet und weitere 55 verletzt wurden. Darauf erfolgte die Auflösung der Partei der Libanesischen Kräfte und die Verurteilung ihres Anführers Samir Geagea zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe am 25. Juni 1995. Dutzende von Christen wurden in der Weihnachtszeit im Dezember 1996 verhaftet und angeklagt, sie seien Agenten im Dienste Israels; die Verhaftungen erfolgten nach einigen Terroranschlägen gegen syrische Arbeiter, die sich im Gefolge der 35.000 Soldaten der syrischen Armee im Libanon aufhalten. Viele der 60 Verhafteten gehören zur maronitischen Gemeinschaft und sind in nationalistischen politischen Bewegungen engagiert, die den Rückzug Syriens aus dem Libanon fordern. Viele der Verhafteten wurden in der Folgezeit wieder freigelassen, obwohl einige unter Anklage seitens des Militärgerichts stehen; einer von diesen, der Journalist Pierre Atallah, wurde angeklagt, er habe Kontakte mit Israel unterhalten und in einigen Städtchen mit überwiegend christlicher Bevölkerung Broschüren verteilt, in denen die libanesischen Truppen zur Befehlsverweigerung aufgerufen wurden. Ein weiterer Christ, Ghassan Bardawil, wurde angeklagt, er habe "die Beziehungen des Libanon mit befreundeten Ländern gestört", wenngleich das ohne ausdrücklichen Bezug auf Syrien geschah. Der Kardinal und Patriarch der Maronitischen Kirche im Libanon, Nashrallah Sfeir, äußerte schwere Bedenken zur Gesetzmäßigkeit solcher Inhaftierungen und ganz allgemein zum Verhalten der Sicherheitskräfte. Verletzungen der Menschenrechte seitens des Libanon wurden von der International Federation of Human Rights leagues angezeigt. Im Juli 1998 ist die Situation der Bürgerkriegsflüchtlinge noch immer sehr schwierig. Die Vertriebenen des libanesischen Bürgerkrieges, ca. 400.000 Personen, zum größten Teil Christen, mußten noch einmal die Rückkehr in ihre Häuser verschieben wegen der Rivalitäten zwischen Walid Joumblatt, Sozialist und Führer der Drusen-Gemeinschaft sowie Minister für die Angelegenheiten der Vertriebenen, und Rafic Hariri, dem Verantwortlichen der "Zentralkasse der Vertriebenen". Im politischen Kampf wird die Wunde der Flüchtlinge offen bleiben. Nach glaubwürdigen Schätzungen ist lediglich 15 Prozent der Vertriebenen in ihre ursprünglichen Dörfer zurückgekehrt. Das Fortdauern der Tragödie hat mittlerweile viele Familien gezwungen, sich im Ausland niederzulassen, wodurch die Reihen der libanesischen Emigranten größer geworden sind, laut einer Reportage der Agentur Fides vom 24. Juli 1998. Der maronitische Bischof Bechara Raï aus Byblos bezeichnet in einem Interview mit der KNA am 13. Mai 1998 den Besuch von Johannes Paul II. im Libanon im Jahre 1997 sowie die Veröffentlichung und Verbreitung des Dokuments "Neue Hoffnungen im Libanon" zu einem Grund tiefer Bewegung in der Kirche und im Lande, die einer neuen Epoche Leben gegeben hat. Das libanesische Volk hatte die Möglichkeit, dem Papst seine ganze Zuneigung zu zeigen, der sie seinerseits seine Nähe im Glauben und seine menschliche Solidarität hatte spüren lassen. In all den vielen Mißverständnissen und Feindseligkeiten hatte er sich als ein Freund des Landes gezeigt und bekräftigte, daß der Libanon eine "Botschaft" für den Orient und den Westen ist. Er weckte neu die Erinnerung an die große Vergangenheit und gab den Jugendlichen eine Hoffnung für ihre Zukunft. Auf der Ebene der Pastoral sieht sich die Kirche mit den moralischen und religiösen Folgen der Kriegsjahre und einer starken Welle der Säkularisation konfrontiert; dennoch begleitet und fördert sie unermüdlich die religiöse Erneuerung in vielen Familien und unter der Jugend, nicht zuletzt durch ein stärker werdendes Laienapostolat. Die Universitäten, die Krankenhäuser, die religiösen Zentren und die Schulen sind sehr aktiv. Die Situation ist so, daß die Christen in ihrer Minderheit eine allgemeine Entwurzelung erfahren, die zur Verarmung und Emigration führt. Christen wie Muslime leiden unter den Folgen der wirtschaftlichen und politischen Krise in Folge des Krieges, der Besetzung Süd-Libanons und der verstärkten Präsenz nicht-libanesischer bewaffneter Kräfte. Die Christen fühlen sich politisch im Abseits, sie erfahren Widerstände gegen ihre Hoffnungen auf ein politisch und sozial gerechtes System, von den demokratischen Freiheiten ganz zu schweigen. Man befürchtet, daß der Libanon seine Identität verliert, und eine Überschwemmung durch den Islamismus, der das gemeinsame Leben von Christen und Muslimen bedroht, wenngleich hier in der Vergangenheit das Modell einer pluralistischen Gesellschaft entstanden ist. Die Christen fragen sich nachdenklich nach dem Schicksal des libanesischen Staates im Miteinander der Nationen und möchten wissen, wann die Verletzungen der nationalen Integrität, der Souveränität und Unabhängigkeit ein Ende nehmen werden. Folgen dieses Zustands sind Korruption, Verletzungen der Menschenrechte und eine Neutralisierung der Verfassungsorgane. Der Dialog zwischen Christen und Muslimen ist eine Erfahrung gemeinsamen Lebens, er artikuliert sich auf drei Ebenen: im alltäglichen Leben, in der Kultur und im Leben der Nation. Die Struktur der libanesischen Gesellschaft ist schichtförmig: Die arabische Kultur ist die Grundlage des gemeinsamen Erbes, der Nationalpakt sorgt für das gemeinsame Interesse von Christen und Muslimen in der Politik und in der öffentlichen Verwaltung. In diesem Dialog, der auf der Ebene des Volkes normal ist, tun sich die Politiker schwerer, weil sie nicht frei sind in den Entscheidungen, die das Wohl der Nation betreffen. Nach der Wahl im Oktober 1998 des General Emile Lahoud zum Präsidenten der Republik, wenngleich sie von Syrien gelenkt war, haben die maronitischen Bischöfe die Hoffnung auf eine Erneuerung des Landes zum Ausdruck gebracht, indem sie darauf setzten, daß das neue Staatsoberhaupt "diese Volk führen kann, das einer nationalen Versöhnung auf allen Ebenen sehr bedarf, indem der Korruption im Verwaltungssystem ein Ende gesetzt wird und die Heimkehr von Vertriebenen und die Wiedereingliederung von Emigranten gefördert wird". Mit dem Phänomen der Emigration, die zum großen Teil christlich ist, hat sich zumindest seit 1978 die Zahl der Schulen, der christlichen Mittelschüler und Studenten spürbar verringert, aber auch die Ausbildung, die Kapitalien und die jugendliche Arbeitskraft. Im Kontext behaupten sich islamische Ausbildungs- und Sozialeinrichtungen, die den Platz der christlichen einnehmen, die auch wegen der Binnenwanderung im Libanon geschlossen wurden, an der zwischen 1975 und 1986 schätzungsweise 670.000 Christen und nur 157.500 Muslimen beteiligt waren. Ein Zeichen der Hoffnung ist die Wiedereröffnung für Gottesdienste der Sankt Michael-Kirche in Beirut im November 1998, an einem der umkämpftesten Punkte der Grünen Linie, welche die libanesische Hauptstadt in zwei Sektoren teilte. |
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