Kirche in Not - Italienisches Sekretariat

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Die Religionsfreiheit in den Ländern mit überwiegend islamischer Bevölkerung
Bericht 1998


Nigeria

Bevölkerung: 103.460.000
Religionszugehörigkeit: Islam 50%; Christentum 40%; traditionelle Religionen 9%
Katholiken: 11.848.677
Nigeria - Apostolische Präfektur: Kontagora - 65.550; Apostolisches Vikariat: Bauchi: 60.000; Bomadi - 11.233; Kano - 75.514; Diözesen: Abuja - 42.793; Idah - 83.816; Lokoja - 29.250; Makurdi - 1.024.833; Otukpo - 234.484; Benin-Stadt - 273.904; Issele-Uku - 201.380; Warri - 189.000; Calabar - 170.000; Ikot-Ekpene - 80.010; Ogoja - 241.282; Port Harcourt - 109.700; Uyo - 597.989; Ibadan - 145.000; Ekiti - 135.000; Ondo - 180.255; Osogbo - 60.000; Oyo - 50.000; Jos - 342.976; Jalingo - 181.795; Maiduguri - 95.853; Yola - 95.553; Kaduna - 227.687; Ilorin - 56.772; Kafanchan - 227.687; Minna - 88.559; Sokoto - 31.937; Lagos - 1.096.000; Abeokuta - 45.000; Ibeju-Ode - 47.000; Onitsha - 1.223.556; Abakaliki - 212.700; Awka - 560.974; Enugu - 565.350; Nsukka - 380.178; Owerri - 539.032; Aba - 299.914; Ahiara - 385.512; Okigwe - 465.705; Orlu - 518.368; Umuhia - 99.576


Nigeria ist ein Land, das von einer großen Vielfalt der Ethnien, Kulturen und Religionen gekennzeichnet ist. Als Begenungspunkt zwischen sudanesischen und guinesischen Zivilisationen, die ohne Erfolg in den britischen Kolonialstaat integriert wurden, hat das Land noch immer mit ethnischen und religiösen Rivalitäten zu kämpfen, die häufig von den Interessen der entwickelten Länder genährt werden. Zwei Blöcke stehen sich gegenüber: die Muslime im Norden und die Christen im Süden; auch der nigerianische Islam erscheint als ein nebulöses Durcheinander, in dem einige wichtige Sufi-Tariqa (Bruderschaften) sich den Vereinigungen unter sudanesischem Einfluß widersetzen, die ihrerseits im Konflikt sind mit denen, die vom Iran unterstützt werden.

Die jüngste Geschichte Nigerias ähnelt der vieler afrikanischer Länder: eine lange und schier endlose Aufeinanderfolge von Staatsstreichen, Stammeskämpfen und Ansätzen einer Demokratisierung, die zum großen Teil scheiterten. Nigeria hat eine Verfassung föderaler Art und wird derzeit von einer Militärregierung regiert, die für willkürliche Verhaftungen, Gewalttaten, Folterungen und Hinrichtungen im Eilverfahren verantwortlich gemacht wird. Wegen dieser Vergehen gegen die Menschenrechte wurde Nigeria 1995 aus dem britischen Commonwealth ausgeschlossen.

Im allgemeinen respektiert die Regierung die Freiheit der Religion und ihrer Ausübung. Die Verfassung verbietet die Annahme einer Staatsreligion, obwohl der Islam im Vergleich zum Christentum eine bevorzugte Behandlung genießt. Die Zugehörigkeit Nigerias zur Organisation der Islamischen Konferenz und die Vorschläge einer Anwendung der Scharia als Staatsgesetz führten zu zahlreichen Debatten. Die Regierung legte 1987 ein Veto gegen die Intervention religiöser Organisationen im Bereich der Grundschulen ein, wenngleich die Schüler das Recht haben, ihre Religion an den Kultstätten auszuüben. Eingeschränkt ist auch die Möglichlichkeit, religiöses Material zu verteilen; Veranstaltungen an öffentlichen Orten sind hingegen verboten, und Personen, die im Verdacht stehen, daß sie wegen einer Missionierung kommen, werden Schwierigkeiten bei der Einreise in das Land bereitet.

Ein Bericht der KNA vom 27. Februar 1998 führt die ersten Kontakte Nigerias mit dem Evangelium zurück ins 15. Jahrhundert. Eine systematische Evangelisierung jedoch erfolgte erst im 18. Jahrhundert, durch anglikanische und protestantische Missionare. Die erste katholische Mission geht zurück ins Jahr 1868 und wurde von den Franzosen in der Nähe von Lagos errichtet. Im 20. Jahrhundert wurden Missionsstationen, Kirchen und Pfarrgemeinden im Südosten des Landes aufgebaut, wo das Christentum langsam Fuß faßte, während im Norden unangefochten der Islam regiert. Nach dem Biafra-Krieg (1967-70) hat das Regime die meisten ausländischen Missionare ausgewiesen, aber die Ortskirche überlebte aus eigener Kraft. Gegenwärtig tritt eine solch große Zahl junger Männer in die Seminare ein, daß ein Numerus clausus eingeführt werden mußte, so daß nur einige Hundert Seminaristen in den elf Diözesen und vier Seminaren aufgenommen werden. 1995 zählte man 2200 in Nigeria gebürtige Priester. Mit ihren 12 Mio. Personen repräsentiert die katholische Kirche eine große Minderheit, die im Gebiet der Ibo eine Mehrheit bildet. Zusammen mit den 25 Mio. Anglikanern und Protestanten und der wachsenden Zahl in den Freikirchen, mit ca. 10 Mio. Anhängern, sind die Christen fast genauso viele wie die Muslime, die 50. Mio. Gläubige zählen. Die Beziehung mit den Muslimen wird von den Vertretern der Kirche vor Ort als nicht frei von Spannungen bezeichnet, obwohl in der letzten Zeit eine leichte Besserung zu verzeichnen ist.

Fides beschreibt im Jahr 1998 das religiöse Gleichgewicht Nigerias als eine zahlenmäßig fast gleiche Aufteilung zwischen Muslimen und Christen. Es kommt zu Angriffen auf kirchliche Gebäude und Aggressionen gegen Getaufte, aber tatsächlich gibt es im Innern bessere Beziehungen, als es nach außen hin scheint. Im Süden ist die religiöse Bekehrung vom Islam zum Christentum möglich, während sie im Norden nicht erlaubt ist. In diesem Teil des Landes sind größere Auseinandersetzungen zu verzeichnen; hier ist der Islam seit dem Jahr 1200 präsent, und die Macht der Emire schränkt heute den Bau von katholischen Schulen und Kirchen ein.

Im Süden herrscht eine größere Toleranz. Der Besuch des Heiligen Vaters in Nigeria anläßlich der Seligsprechung von Pater Tansi hat die Hoffnung auf eine Versöhnung gebracht und die von der internationalen Gemeinschaft auferlegte Isolierung durchbrochen. Letztere war verursacht durch die Annullierung der Wahlen und den Putsch von Abacha im Jahre 1993, wegen der Vollstreckung des Todesurteils an dem Schriftsteller Ken Saro-Wiwa und acht Führern der ethnischen Minderheit der Ogoni und wegen des Todesurteils für den Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, der mittlerweile in die Vereinigten Staaten geflohen ist. Der Heilige Vater bat um die Freilassung von 60 politischen Häftlingen und wollte dem Dialog mit den Muslimen einen neuen Impuls geben. Msgr. John Fasina, Bischof von Ijebu-Ode, rückte in einem Interview, das er Fides gab, einige Aspekte dieser religiösen Frage in Nigeria ins Licht. Msgr. Fasina, der einer muslimischen Familie des Yoruba-Volkes entstammt, bekehrte sich im Alter von 19 Jahren zum Christentum, während seine anderen Brüder weiter den islamischen Glauben praktizieren. Die Möglichkeit der Bekehrung von einer Religion zur anderen - so erklärt Msgr. Fasina - ist unter den Yoruba durchaus keine Seltenheit, im Unterschied zu dem, was im Norden passiert, wo so etwas gar nicht zulässig wäre.

Der Report on Religious Freedom des amerikanischen Außenministeriums berichtet von zwei Fällen der Verfolgung: Der Bundesstaat Kwara erzwang im März 1996 die Schließung jener christlichen Schulen, die den Unterricht islamischer Lehren verweigerten. Diese Schulen hatten sich zu dieser Maßnahme entschlossen als Antwort auf die islamischen Schulen, die den Unterricht christlicher Lehren abgelehnt hatten. Nach der Versetzung des Militärgouverneurs wurden die Schulen wieder geöffnet. - Im Bundesstaat Kwara kam es im März 1997 zu Gewalttätigkeiten gegen Christen, als eine Gruppe von Soldaten einige Mitglieder der Christian Association of Nigeria während der Prozession am Palmsonntag in dem Ort Ilorin mit Stöcken schlug. Ein Hauptmann parkte seinen Wagen auf dem Weg der Prozession mitten auf der Straße; als er darum gebeten wurde, sein Auto wegzufahren, gab er einigen Soldaten, die sich in der Nähe aufhielten, den Befehl, die Prozession anzugreifen. Einige Mitglieder der Christian Association wurden verhaftet und mußten zwei Tage im Gefängnis verbringen.

1997 verlor der Diozesangeistliche Rev. Ngozi Isidi wegen seines Glaubens in Ogwasi-Uku sein Leben.

Die Pfarreien und die katholischen Priester sind immer häufiger Opfer von Diebstählen und Raubüberfällen. Zwischen Dezember 1997 und Januar 1998 wurden ca. 20 Priester überfallen. Zum größten Teil passieren diese Überfälle im Norden, nahe der Erzdiözese Kaduna, das heißt im Zentrum der vatikanischen Missionskongregation. Der Erzbischof Peter Jatau ermutigte in einem Rundschreiben Pfarrer und Ordensmänner zu einer tapferen Verteidigung. Auch andere Diözesen waren Ziel von Diebstählen und Raubzügen. Die Überfälle zielen meist auf die Opfergaben der Gläubigen. Zur Verteidigung der Kirchen und Pfarreien werden Wachposten aufgestellt, die in den meisten Fällen entwaffnet und gefesselt werden. Ein Priester, der antwortete, er habe kein Geld bei sich, wurde nach Informationen von Fides mißhandelt und schwer verletzt.

Allein in der Diözese Onitsha, so informiert die KNA am 17. Februar 1998, wurden 22 Pfarreien, Noviziate und Seminare überfallen. In einigen Diözesen ist fast jede Pafrrei überfallen worden. Die katholische Kirche im Lande hat sich wegen dieses Problems des öfteren an die Behörden gewandt, aber bislang ist konkret noch nichts geschehen, obwohl Fortschritte im Bereich der Menschenrechte verzeichnet worden sind, auf die auch in einer Erklärung der Nigerianischen Bischofskonferenz vom September 1998 hingewiesen wird, in der allerdings die Rückgabe der katholischen Schulen gefordert wird, die in den siebziger Jahren vom Staat beschlagnahmt wurden.

Die Unterdrückung islamistischer Bewegungen, wie der Muslimbruderschaft, seitens der Regierung wird von Amnesty International in einigen Fällen, über die 1998 berichtet wird, als Verletzung der Menschenrechte und Gewissensfreiheit angesehen.