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Kirche in Not - Italienisches Sekretariat |
Die Religionsfreiheit
in den Ländern mit überwiegend islamischer
Bevölkerung |
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Pakistan Bevölkerung:
136.183.000
Pakistan ist eine islamische Republik. Die Christen repräsentieren ca. 1,4 Prozent der Bevölkerung, insgesamt gut eine Million Katholiken und ca. 850.000 Protestanten. Der Artikel 20 der Verfassung aus dem Jahre 1973 besagt, daß jedem Staatsbürger die Freiheit der Religionsausübung, des Bekenntnisses und der Verkündigung zugestanden wird; im Artikel 36 heißt es, daß der Staat die Interessen und Rechte der Minderheiten schützt. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Die Christen leben in Ghettos. In der gleichen Verfassung steht in Artikel 41, daß der Präsident der Republik ein Muslim sein muß. Es gibt Fälle der Intoleranz, vor allem im Zusammenhang mit dem Gesetz über die Gotteslästerung, das 1985 von General Zia erlassen wurde: Wer den Koran diffamiert, wird mit lebenslanger Haft bestraft, wer Mohammed verflucht, riskiert das Todesurteil. Mischehen sind nur erlaubt, wenn der Mann ein Muslim ist und die Frau eine Christin, nicht umgekehrt. Die schulischen Einrichtungen, die größtenteils von der christlichen Kultur geschaffen worden sind, sind in islamischen Händen, und die christliche Lehre ist an den Rand gedrängt; die christliche Religion und ihre Anhänger werden in den Schulbücher in Verruf gebracht. Die Wortverkündigung ist nicht gestattet. Die pakistanische Gesetzgebung sieht vor, daß die religiösen Minderheiten eigene politische Repräsentanten haben. Peter Jacob, der geschäftsführende Sekretär der nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Pakistanischen Bischofskonferenz, beklagt in dem Dokument Einhaltung der Menschenrechte. Eine Studie über die gegenwärtige Situation die fortwährenden Gewalttaten und Diskriminierungen gegenüber religiösen Minderheiten. Seit kurzem sind "Antiterror-Tribunale" ins Leben gerufen worden, die auch über Fälle der Gotteslästerung entscheiden dürfen. Die Polizei darf ohne gerichtliche Genehmigung Hausdurchsuchungen durchführen und auf Verdächtige terroristischer Aktivitäten schießen. Des weiteren verpflichten die Antiterrorgesetze die Gerichte, ihr Urteil binnen einer Woche zu sprechen. In Faisalabad mußten zahlreiche Familien ihre eigenen Häuser verlassen, nachdem ein 30jähriger Mann von der Polizei bezichtigt wurde, gegen das Gesetz über die Gotteslästerung verstoßen zu haben. Das passierte in dem Dorf Sahiwal, 500 Kilometer südlich von Islamabad, wo 14 der 140 Familien christlich sind. Die Verteidiger von Ayub Masih, dem jungen Beschuldigten, sagen, daß die gegen ihn gerichtete Anklage, für die das sofortige Todesurteil vorgesehen ist, die Antwort der Regierung ist auf die Forderung der christlichen Familien, neue Häuser zu bauen. Zeugen erklärten der Presseagentur U.C.A. News (7.-8. November 1996), daß ein Streit Ayubs mit einem jungen Muslimen als Vorwand für die Anzeige gedient habe, die zu seiner Verhaftung am 14. Oktober führte. Ayubs Mutter erzählt, daß sich an jenem Tag eine Menge von 50 bis 60 Personen zu ihrem Haus begeben hat und daß Ayub, sein Bruder Samson und seine Schwester brutal geschlagen wurden. Daraufhin wurden Ayub und sein Bruder verhaftet. "Sie haben meine Kinder weggebracht, und ich bin geflohen", so sagte die Mutter von Ayub, "wir sind arme Leute und können unsere Kinder und uns selbst nicht verteidigen." Nach dem Zeugnis ihrer Mutter, veröffentlicht von U.C.A. News am 13.-15. November 1996, wurde die erst 14jährige Gloria Bibi am 20. August 1996 von einem jungen Muslimen entführt, der sie zwang, sich zum Islam zu bekehren, um sie zu heiraten. Dies passierte in einem Dorf im Distrikt Sahiwal; seit dem Tag ihres Verschwindens hat das Mädchen niemand mehr gesehen. Die Mutter des Mädchens beklagt die Tatenlosigkeit der Polizei, die, nachdem sie die Mitglieder der Familie des Jugendlichen in Haft genommen hatte, sie für eine Geldsumme wieder freiließ. Auch die Familie des Mädchens wurde gezwungen, Geld zu zahlen, aber die Versprechungen, das Mädchen wiederzusehen, wurden nicht eingehalten. Die Christen bilden 12 der 250 Familien des Dorfes, und viele sind Arbeitnehmer muslimischer Großgrundbesitzer. Deshalb widerstrebt es auch den Christen vor Ort, der Familie von Gloria beizustehen, weil sie Angst vor Konsequenzen seitens ihrer muslimischen Arbeitgeber haben. Im Februar 1997 wurden in Shantinagar ca. 800 Häuser, 13 Kirchen und auch die Dörfer und die Armenviertel in der Umgebung zerstört; dabei wurden 35 Christen verletzt. An diesen Gewalttaten soll nach Angaben im Jahresbericht 1998 von Amnesty International auch die Polizei beteiligt gewesen sein. Nach den Informationen von christlichen Organisationen wurde eine nicht genau bekannte Zahl von Christen - schätzungsweise zwischen 50 und 70 - entführt. Einigen wurde Gewalt angetan, und sie wurden gezwungen, die islamische Religion anzunehmen. Zahlreich sind auch die Zwangsbekehrungen von Minderjährigen, wie die eines 13jährigen Jungen durch den Besitzer der Farm, auf der er arbeitete; der legte ihm den Koran auf den Kopf und sagte: "Jetzt bist du ein Muslim geworden. Wenn du weiterhin sagt, du seiest ein Christ, werde ich dich töten. Ich habe deinen Namen auf diese Kugel geschrieben." 40.000 Personen sind obdachlos. Am Beginn des Jahres hatten die Muslime auch in anderen Dörfern Plünderungen durchgeführt, dabei setzten sie Kirchen und Häuser von Christen in Brand. Etwa 1000 Familien leben noch in Zelten, viele von ihnen sind bezichtigt worden, sie hätten den Islam geschmäht. In Toba Tek Singh fand am 15. September 1997 eine Begegnung statt zwischen einer Gruppe von jungen christlichen Arbeitern und Rita Tan, einer Koordinatorin der internationalen Christlichen Arbeiterjugend. Die Arbeiter, die aus verschiedenen Berufswelten kamen, klagten über große Schwierigkeiten, denen sie wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit ausgesetzt sind. Aus den Aussagen geht hervor, daß der Handelssektor dadurch benachteiligt ist, daß aufgrund diffuser Gefühle der Intoleranz nur die Christen Waren bei anderen Christen kaufen. Die nicht-selbständige Arbeit ist geprägt von Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen: Die muslimischen Arbeiter weigern sich, mit den Christen zu essen, und grenzen sie aus; die Löhne der Christen sind niedriger und werden ohne Grund einige Monate einbehalten; die Aufgaben, die den Christen vorbehalten sind, sind niedriger und mühsamer. Ferner wurde geäußert, daß die Christen keinen Zugang zu öffentlichen und staatlichen Stellen haben. "In der Bibel zu lesen, das hilft uns weiterzugehen, unsere Arbeit zu verrichten und für unsere Rechte zu kämpfen", so sagte ein Arbeiter zu Rita Tan, wie die U.C.A. News vom 20.-22. Oktober 1997 berichtet. In Multan protestierten Aktivisten für die Menschenrechte und christliche Gruppen gegen die Errichtung von neuen Antiterror-Tribunalen, welche die Kompetenz haben, über Fälle der Gotteslästerung zu urteilen. "Wenn die Fälle der Gotteslästerung dem Urteil von Antiterror-Tribunalen unterliegen, dann werden Freisprüche unmöglich", erklärte Johnson Shahid, ein katholischer Aktivist für die Menschenrechte. Im besonderen sind die der Polizei übertragenen Sondervollmachten in Folge der von der Regierung ergriffenen neuen Antiterror-Maßnahmen gefürchtet, wie das Eindringen in Häuser ohne Durchsuchungsbefehl und sogar das Töten mutmaßlicher Terroristen. Die christlichen Minderheiten weisen auf die Verletztbarkeit hin, in die sie durch das neue Gesetz bezüglich der Anklagen der Gotteslästerung geraten sind, das meist als Vorwand dient und deren Opfer sie sind. Der Protest, so berichtet U.C.A. News vom 29. September bis 1. Oktober 1997, richtet sich hauptsächlich gegen den Absatz 295c des Strafgesetzbuches, in dem das Vergehen der Gotteslästerung sehr vage definiert ist, wodurch falschen und manipulierten Anklagen Vorschub geleistet wird. Ein konvertierter Muslim, der den Kerker überlebte und der von seiner Familie verstoßen wurde, hilft jetzt anderen, die auf dem Weg der Bekehrung sind. U.C.A. News vom 20.-22. April 1998 berichtet von seiner Geschichte: Der in Multan geborene Ijaz Zaidi begann sich bereits in seiner Studentenzeit für verschiedene Religionen zu interessieren. Tief ergriffen vom Christentum erklärte er 1964 öffentlich, daß er den neuen Glauben angenommen habe. Dafür kam er zwei Jahre ins Gefängnis. Als er dann freigelassen wurde, verstieß ihn seine Familie, nachdem er so schwer geprügelt worden war, daß er wegen Brüchen an mehreren Gliedmaßen im Krankenhaus behandelt werden mußte. Seine Not war jedoch noch nicht zu Ende, denn alle christlichen Kirchen, die er kontaktierte, einschließlich der katholischen, weigerten sich, ihn aufzunehmen, weil sie die möglichen Konsequenzen fürchteten. Nur dank seiner Geduld und Beharrlichkeit gelang es Ijaz, gegen Ende Oktober die Taufe zu empfangen, und er wurde in die anglikanische Kirche aufgenommen. Jetzt widmet sich Ijaz den Muslimen, die an einer Konversion interessiert sind, und hilft ihnen. Etwa 1700 Personen haben sich an ihn gewandt. Ijaz macht in der Zwischenzeit weiter mit seiner Arbeit und ist ledig, weil die Familie seiner ehemaligen Verlobten den Vorschlag abgelehnt hat, daß das Mädchen konvertiert, um ihn zu heiraten. Der katholische pakistanische Bischof von Faisalabad, John Joseph, ein angesehener Kritiker der strengen pakistanischen Gesetze gegen die Gotteslästerung, hat am 6. Mai 1998 Selbstmord begangen. Die Polizei erklärte, der Bischof habe auf sich geschossen und sich vor dem Tribunal in Sahiwal getötet, ca. 430 Kilometer südlich von Islamabad, nachdem er die Familie von Ayub Masih besucht hatte, einen Christen, der wegen des Gesetzes der Gotteslästerung zum Tode verurteilt wurde. Die pakistanischen Gesetze sind heftig kritisiert worden, daß sie die Nicht-Muslime diskriminieren und Vergehen der Muslime gegen ihre nicht-muslimischen Nachbarn den Weg ebnen. Während eines interreligiösen Seminars im Sommer des Vorjahres hatte Bischof Joseph auf das schwere Unrecht dieses Gesetzes hingewiesen und sich bereit erklärt, für seine Änderung sein Leben einzusetzen. Am Morgen des 6. Mai 1998 hatte der Bischof eine Zusammenkunft organisiert, um für die Opfer des Gesetzes über die Gotteslästerung zu beten, und hatte geäußert, daß es notwendig sei, daß etwas Aufsehenerregendes gegen die Anwendung solcher Gesetze geschehe. Bischof Joseph war Vorsitzender der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden und hatte das Römische Missale in die Urdu-Sprache übersetzt. Msgr. John Joseph hatte immer darauf hingewiesen, daß die Situation völlig unakzeptabel sei. Er hatte Interviews gegeben und Aufrufe lanciert, wie den für Anwar Mash, der der Gotteslästerung angeklagt war und auf sein Urteil wartet und sein Leben in Isolierhaft verbringt, ohne je das Tageslicht zu sehen. Oder der Fall der Samina Inayat, die aus ihrer Familie entführt wurde, die einzige Christin eines kleinen Dorfes und im Alter von nur 15 Jahren zur Prostitution gezwungen wurde. John Joseph versuchte alles Mögliche, um sie frei zu bekommen: Kontakte mit den islamischen Führern und mit der Polizei. Es gelang ihm, sein Ziel zu erreichen. Jetzt befindet sich die Jugendliche an einem sicheren Ort, wo sie versucht zu vergessen, um ein neues Leben beginnen zu können. Der erst zwölf Jahre alte Salamat Masih wurde zum Tod verurteilt, dann freigesprochen und flüchtete ins Ausland; die Lehrerin Catherine Shaheen hingegen wurde der Blasphemie bezichtigt, und ihr wurde das Gehalt entzogen. Jetzt lebt sie im Untergrund, weil Islamisten gedroht haben, sie zu töten. Msgr. Joseph hatte neun Fälle von Gewalt aufgelistet, die von der Polizei und von Terroristen an christlichen Ordensleuten und Laien begangen wurden, die beleidigt, mißhandelt und getötet wurden. Die Dominikanerschwester Susanne wurde am 11. August 1988 von einem Terroristen ermordet; der Franziskaner Cyprian Dias erlitt das gleiche Schicksal am 11. September 1988; Nazir Masih wurde auf einer Polizeistation mißhandelt und getötet; eine ganze christliche Familie, mit Frauen und Kindern, wurde 1997 grausam mißhandelt. Das gegen Ayub Masih ergangene Todesurteil wurde bis zur Berufung im Juni 1999 ausgesetzt. Der Jugendliche war angeklagt worden, er habe sich positiv über das Buch Satanische Verse des britischen Autors Salman Rushdie geäußert, wohingegen die Verteidigung unter Beweis stellte, daß Ayub keine Feindseligkeit gegenüber dem Islam hegt. Dem Fall wurde eine gewisse Aufmerksamkeit beigemessen, nachdem der Bischof sich das Leben genommen hatte, um gegen dieses Todesurteil zu protestieren. Ayub ist der vierte christliche Pakistaner, der unter der Anklage der Schmähung des Koran zum Tode verurteilt wurde. Die anderen drei wurden vom Obersten Gerichtshof in Lahore später freigesprochen, aber müssen wegen ständiger Bedrohungen im Ausland leben. Fünf Christen, die der Gotteslästerung angeklagt waren, wurden getötet, als ihre Prozesse noch nicht abgeschlossen waren; drei von ihnen standen unter Personenschutz, als sie ermordet wurden. Der Richter Arif Iqbal Bhatti, der dazu beigetragen hat, zwei der Christen freizusprechen, wurde im vergangenen Oktober getötet (Catholic News Service - 13. Mai 1998). Einen Monat nach dem Tod von Bischof John Joseph versammelte sich die christliche Gemeinschaft in der Pfarrei St. Peter und Paul in Faisalabad in der Region des Punjab. Der Journalist Ettore Botti vom Corriere della Sera sammelte die beeindruckenden Zeugnisse einiger der anwesenden Gläubigen. Viele von ihnen stammen ursprünglich aus dem Hinduismus, Kastenlose und Unberührbare, Verachtete und Arme unter den Armen; in Lahore nennt man sie "Bangi" (Kloputzer) weil sie die einzigen sind, die diese Arbeit machen. Faruk Zahid berichtet, daß er eine Zeitlang an einem Ofen gearbeitet hat, in dem Backsteine hergestellt wurden, aber dann wurde ihm gekündigt, und an seiner Stelle wurde ein Muslim eingestellt. Häufig formen die Christen im Lande kleine Siedlungen, die Ghetto-Charakter haben und aus denen sie nicht heraus dürfen. Ein Plan zur Änderung der Verfassung, der auf die Übernahme des islamischen Gesetzes als Staatsgesetz zielt, wurde der pakistanischen Nationalversammlung am 28. August 1998 vorgelegt. Einige Vertreter der religiösen Minderheiten und der Oppositionsparteien sandten offizielle Protestschreiben und veranstalteten Demonstrationen gegen diese Absichten. In der Verfassung Pakistans ist der Islam als Staatsreligion verankert, aber eine andere Sache ist der gegenwärtige Vorschlag der Übernahme des islamischen Gesetzes in das Rechtssystem. Die in Frage stehende Änderung wird vom derzeitigen Premierminister Nawaz Sharif befürwortet. Am 5. September 1998 veröffentlichte die Tageszeitung Avvenire einen Artikel von Marco Moriconi, in dem hervorgehoben wird, daß sich verschiedene Abgeordnete der Partei von Sharif, die zur Minderheit der Christen und Hindu gehören, von der Initiative des Premierministers distanziert haben. Gründe der Besorgnis wurden auch von Msgr. Alexander John Malik, dem Bischof von Lahore, vorgetragen, daß die Minderheiten den ca. 72 Sekten der islamischen Religion, die es im Lande gibt, ausgesetzt seien, von denen jede den Koran auf ihre eigene Art auslegt. Die pakistanische Nationalversammlung verabschiedete die Vorlage am 9. Oktober 1998 mit einer Mehrheit von 151 Stimmen gegen 16 Stimmen. Jetzt wartet man auf die Prüfung des Senats, wo die pakistanische muslimische Liga nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit für die Anerkennung als Staatsgesetz hat. Der Premierminister begrüßte die Abstimmung und meinte, es handle sich um "den Beginn einer neuen islamischen Ordnung für Pakistan". In seiner Rede im Parlament versprach er den religiösen Minderheiten "ihre Rechte zu schützen"; doch niemand scheint seinen Erklärungen zu glauben. Christen, Muslime und Hindus setzen ihre Proteste fort. Am 15. Oktober versammelten sich in Lahore über 2000 Personen zu einer öffentlichen Demonstration, die vom christlich-muslimischen Komitee für die Rechte des Volkes organisiert war. Unter den Anführern des Protests waren der muslimische Senator Ajmal Khattak, Cecil Chaudry und der Aktivist Joseph Francis. Am gleichen Tag veranstaltete die Kommission für den interreligiösen Dialog der Pakistanischen Bischofskonferenz ein Seminar, auf dem alle religiösen Führer das Dokument verurteilten. Sharif könnte das Hindernis umgehen, wenn er auf eine außerordentliche Sitzung mit gemeinsamer Abstimmung der beiden Kammern zurückgreift. Die Auswirkungen des Gesetzes könnten sich ausweiten bis zur Verpflichtung für alle Pakistani - Muslime und Nicht-Muslime -, fünf Mal am Tage zu beten, jährlich mit dem zehnten Teil des Einkommens zum Unterhalt der muslimischen Gemeinschaft beizutragen und darüber hinaus die Verfassung, die Gesetze und die Urteile aller Gerichte von den islamischen Grundsätzen abhängig zu machen. Die Christen Pakistans befürchten einen Völkermord, aber werden das Land nicht verlassen. Dies erklärte am 6. November 1998 der 58jährige Cecil Chaudry Fides; er ist Rektor der Saint Anthony-Schule in Lahore und Anführer der Christlichen Befreiungsfront, einer Organisation von Katholiken und Protestanten, die sich auf sozialer und politischer Ebene engagiert. Chaudry meint, es sei "ein Völkermord seitens der religiösen extremistischen Rechten, wie es den Juden in der Nazizeit erging" zu erwarten. "Deshalb wehren wir uns mit allen Kräften gegen dieses Dokument. Gott sei Dank haben wir eine starke Plattform der Opposition im Senat und hoffen, daß die Vorlage nicht angenommen wird. Die Nationale Front der Christlichen Aktion mit ihrem Vorsitzenden Clement Shahbaz Bhatti hat eine Lobby gebildet, die die Annahme verhindern wird." Auch muslimische Gruppen opponieren gegen dieses Vorgehen, weil sie der Ansicht sind, daß es das Land in eine Situation der Anarchie stürzen wird. Die Extremisten hingegen sind zufrieden damit und unterstützen es. Sie haben auch begonnen, öffentlich Personen zu bedrohen, die sich der Vorlage widersetzen, wie Bhatti und Chaudry. Letzterer fügt hinzu: "Die Vorlage wird die Macht des Premierministers stärken, aber zu welchem Preis? Der Preis könnte auch die Zerstörung des Landes sein! In einem Staat wie Pakistan ist die religiöse Intoleranz bereits sehr stark: Im Namen des Islam werden Morde begangen, die christliche Stadt Shantinagar wurde innerhalb weniger Stunden dem Erdboden gleichgemacht; an einem einzigen Tag wurden 50 Hindu-Tempel zerstört; man setzt noch immer Kirchen in Brand; man schießt aufeinander und wirft Bomben in die Moscheen rivalisierender islamischer Gruppen; man gebraucht das Gesetz über die Gotteslästerung zur Unterdrückung von Christen. Mit der Billigung dieses Dokuments im Senat werden die religiösen Minderheiten innerhalb weniger Jahre gänzlich ausgelöscht sein, und die Frauen werden verfolgt werden. Msgr. John Joseph hat sein Leben geopfert, um die christliche Welt und das pakistanische Volk wachzurütteln. Ich glaube aber, daß der Westen noch schläft! Wir hoffen, daß wir ein starkes internationales Echo finden: Für uns ist das eine Frage von Leben und Tod." Zu einer erneuten Verschlimmerung der Tötungsdelikte gegen Christen kam es am 18. November 1998, als die Polizei die Leichen einer neunköpfigen Familie entdeckte, die in Nowshera massakriert wurde, 40 Kilometer von Peshawar, einer Grenzstadt zwischen Pakistan und Afghanistan, die 1,5 Mio. afghanische Flüchtlinge aufgenommen hat. Das Familienoberhaupt, John Bhatti, hatte in der Vergangenheit fürs Militär gearbeitet; vor der Ermordung - die Täter sind noch nicht ermittelt worden - arbeitete er als Kellner, obwohl er mit seiner Frau, seiner Tochter und mehreren Enkelkindern, darunter ein Kleinkind von acht Monaten, in einer Wohnung des Militärs lebte. An den Wänden seiner Wohnung fand man nach dem Überfall Schriftzüge wie "Schluß mit der schwarzen Magie". Zur Provokation der Bluttat könnte das von Nawaz Sharif geschaffene Klima beigetragen haben, der sagt, er inspiriere sich am "Modell der afghanischen Taliban". Auf einer Wahlveranstaltung im Norden des Landes kündigte er an, daß er alle notwendigen Schritte unternehmen werde, um eine Gesetzgebung zu errichten, die unter anderem für Notzuchtverbrecher die Erhängung am Tag ihrer Verhaftung, die Amputation von Gliedmaßen für Diebe, die Steinigung für Ehebrecher und die Auspeitschung für eine Reihe von kleineren Straftaten vorsieht, wobei er meinte, daß es heute in Afghanistan "das Verbrechen nicht gibt". Nach Amin Saikal, dem Leiter des Studienzentrums der nationalen australischen Universität für den Nahen Osten und Asien, "will Sharif ein Regime aufrichten, das von seiner Volksgruppe der Punjabi beherrscht wird, ähnlich der Theokratie der Taliban-Paschtunen". Fides berichtet am 4. Dezember 1998, daß der Premierminister Sharif eine Woche vor dem Massaker die Provinz besucht hatte, in Begleitung des Senators Sami-un Haq, einem Repräsentanten der Maulana-Partei, einer extremistischen islamischen Partei, die in der Region viele Anhänger hat. Die Maulana-Partei hatte eine fatwâ ausgesprochen gegen alle, die sich der 15. Änderung der Verfassung widersetzen würden: In einer öffentlichen Zusammenkunft wiegelte der Senator die Massen gegen die Christen auf mit dem Ruf "Tod den Ungläubigen!" Die Christen verlangen weiterhin lautstark die Rücknahme der Vorlage, die das islamische Gesetz zur Basis des Staates macht. In einem Interview für das inländische Monatsmagazin Newsline fragt sich Msgr. Bonaventura Paul, der ehemalige Bischof von Haiderabad in Pakistan und Vorsitzende der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der Bischofskonferenz, ob das Dokument wirklich notwendig für das Land ist: "In der Verfassung wird bereits bekräftigt, daß es 'kein anderes Gesetz geben wird außerhalb des Korans und der Sunna'. Der Staat hat bereits einen religiösen Charakter, es gibt ein Bundesgericht der Scharia, das die Macht hat, sein Veto einzulegen bei Gesetzen, die dem Geist des Islam widersprechen." Nach Meinung des Bischofs bewirkt die Änderung nichts anderes als "der Intoleranz die Wege zu bahnen" und "die Distanz zwischen Mehrheit und Minderheit zu verschärfen". "Wir sind alle Staatsbürger Pakistans", so sagt er, "aber in dieser Weise werden wir Staatsbürger zweiter Klasse." Die Christliche Befreiungsfront (FLC) sandte nach dem Massaker vom 18. November einen Offenen Brief an den Premierminister, in dem die Änderung der Verfassung als "eine Bedrohung für die 20 Mio. Nicht-Muslime, die in Pakistan leben" bezeichnet wird. Die Organisation fordert die Regierung zur sofortigen Rücknahme der Vorlage auf, um das Leben der nicht-muslimischen Staatsbürger zu schützen. Sollte die Vorlage gebilligt werden, so heißt es in dem Brief, dann "wird die Verfassung aufhören zu bestehen und die Grundrechte der Staatsbürger werden mit Füßen getreten". Trotz der Appelle erklärte Präsident Sharif, daß "der Senat nicht das Recht habe, die Billigung des Projekts zu behindern" und "das Volk die Senatoren bestrafen müsse, die dagegen stimmen", wobei er hinzufügte, daß "man sie verpflichten muß, es zu billigen, denn es sei der einmütige Wunsch von 130 Mio. Pakistani". Bhatti sagt, er sei sich sicher, daß der Premierminister nicht die Zweidrittelmehrheit der Senatoren bekommen werde und daß dies "ihn zutiefst ärgert". Im übrigen wäre die Bevölkerung nicht so begeistert von der Vorlage, die auch von vielen Muslimen angefochten wird. Der ehemalige Premier Benazir Bhutto klagt in einer Erklärung an U.C.A.-News vom 30. November 1997 die Regierung an, "den religiösen Wahn zu anzustacheln" und im Lande die "Taliban-Variante" des Islam einzuführen, wobei er auf zunehmende Morddrohungen gegen nicht-muslimische Parlamentarier und andere Staatsbürger hinweist. |
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