Kirche in Not - Italienisches Sekretariat

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Die Religionsfreiheit in den Ländern mit überwiegend islamischer Bevölkerung
Bericht 1998


Tunesien

Bevölkerung: 9.128.000
Religionszugehörigkeit: Islam 99%
Katholiken: 21.000
Diözese: Tunis


Seit der Unabhängigkeit im Jahre 1956 legt die Verfassung fest, daß der Islam Staatsreligion ist, aber die Regierung erlaubt die Ausübung anderer Religionen, wenngleich festgelegt ist, daß das Staatsoberhaupt ein Muslim sein muß. Die Missionierungstätigkeit ist verboten, ebenso das Verteilen von religiösem Material. Die Katholiken bilden eine ganz kleine Minderheit; die einzige Diözese ist die von Tunis; zu ihr gehören 45 Priester und 180 Ordensschwestern. In kirchlicher Hand sind Schulen, ein Krankenhaus, Bibliotheken und Kulturzentren, und die Kirche ist an verschiedenen Entwicklungsprojekten im Lande beteiligt. Die Zeitschrift IBLA (Abkürzung für Institut des Belles-Lettres Arabes = Institut für arabische Literatur) blickt im November 1998 auf 60 Jahrgänge zurück; sie wird von den Weißen Vätern in Tunis herausgegeben und ist ein wichtiger Faktor der Zusammenarbeit und der Verständigung zwischen Muslimen und Christen. Die Zeitschrift wird vom gleichnamigen Institut herausgegeben, das 1926 von P. A. Demeerseman gegründet wurde und ist der Ursprung des Entstehens des PISAI (Päpstliches Institut für arabisch-islamische Studien) in Rom. Die IBLA entstand, um die kulturellen Werte der islamischen Welt und der tunesischen Gesellschaft bekannt zu machen; im Laufe der Jahre stieg die Zahl ihrer Mitarbeiter: Über 220 tunesische und arabische Autoren und 230 europäische Autoren haben darin ihre Artikel veröffentlicht. Das Institut des Belles-Lettres Arabes publiziert neben IBLA auch Bücher zur tunesischen Kultur und hat einen Verlag auf universitärer Ebene.

Zu Beginn der fünfziger Jahre war die Hälfte der Einwohner Tunesiens katholisch; mit der Unabhängigkeitserklärung wurden ca. 280.000 Tunesier, die dieser Religion angehörten, vertrieben. Heute zählt man nicht einmal ein Zehntel davon; der größte Teil der Kirchen ist geschlossen oder nicht im Gebrauch. Die Gefahr des Fundamentalismus und des Zusammenbruchs dieser "Oase der Toleranz" ist nicht fern. Tunesien war ursprünglich, ebenso wie Algerien, ein wichtiges Zentrum der lateinischen Kirche. Die Eroberung von Karthago durch die Muslime im Jahre 698 bedeutete hier für die Kirche den Anfang vom Ende. Der Besuch von Johannes Paul II. in Tunesien hat der Verteidigung der Menschenrechte einen neuen Impuls gegeben, der Freiheit der Religion und Kultur für die 21.000 Katholiken, die in einer Gesellschaft leben, die fast gänzlich islamisiert ist. Die Katholiken bemühen sich um friedliche Beziehungen mit den muslimischen Brüdern und Schwestern.