Kirche in Not - Italienisches Sekretariat

Home

Die Religionsfreiheit in den Ländern mit überwiegend islamischer Bevölkerung
Bericht 1998


Turkmenistan

Bevölkerung: 4.695.000
Religionszugehörigkeit: Islam 87%; russisch-orthodoxes Christentum 6,4%


 

Die Verfassung bestätigt grundsätzlich die Religionsfreiheit. Die Organisationen müssen von der Regierung registriert sein, ebenso wie alle größeren Zusammenkünfte. Nur die islamischen und orthodoxen Kultstätten werden nicht kontrolliert.

Turkmenistan wird vom Präsidenten Nijasow autokratisch geführt; er war schon in der Ära Gorbatschows im Amt war und änderte nach der Auflösung der UdSSR im Jahre 1991 einfach den Namen seiner Partei und ließ sich bis zum Jahre 2002 wiederwählen. Die ganze muslimische Hierarchie hat ihn unterstützt. Eine Reportage in Menschenrechte im November-Dezember 1997 erinnerte daran, daß Turkmenistan das einzige Land der ehemaligen UdSSR ist, in dem Personen wegen Ordnungswidrigkeiten noch in Haft genommen werden konnten. Präsident Nijasow hat seit dem 27. Juli 1996 die Macht fest in Händen; alle Massenmedien und alle Nachrichten unterliegen der Zensur. Die neue Verpflichtung zur Registrierung für religiöse Gemeinschaften hat nur die islamischen und orthodoxen Gemeinden geschützt. Auf die Gläubigen nicht-registrierter religiöser Gemeinschaften wurde psychologisch Druck ausgeübt. Ende Juni 1997 fand und beschlagnahmte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung in einem Gotteshaus in der Stadt Kransnowdsk 1700 Bibeln. Anfang September konfiszierte die Polizei ca. 100 Bibeln bei Verkäufern auf der Straße. Aber auch die orthodoxen Kirchen sind besorgt wegen des neuen Religionsgesetzes, weil sie den Druck kennen, der in den Ländern Zentralasiens mit mehrheitlich islamischer Bevölkerung gegen die Christen ausgeübt wurde.

Den Oblaten-Missionaren ist es gelungen, die Kirche wieder in die Wüste Karakum zu tragen. Seit 1996 hatte der Heilige Stuhl Beziehungen mit dem Land geknüpft; im September 1997 errichtete er eine "Missio sui juris". Pater Andrzej Madei und sein Mitbruder Zmitrowicz begannen ihr Abenteuer. Die christliche Präsenz reicht zurück ins 3. Jahrhundert und entwickelte sich schrittweise bis zum 14. Jahrhundert, als unter der Regierung Timur-Lengs die Christen unter Androhung des Todes gezwungen wurden, sich zum Islam zu bekehren. Mit dem zaristischen Rußland kehrte eine katholische Präsenz zurück, aber die kommunistischen Behörden und einige Naturkatastrophen trugen viel dazu bei, diese Präsenz zu eliminieren. Jetzt knüpfen die Missionare Kontakte mit den Menschen, mit den orthodoxen und muslimischen Gruppen.

In einer Erklärung sagte Pater Madei: "Vor sechs Jahren wurde das Land unabhängig, aber zur Anerkennung einer Kirche als juridische Körperschaft muß man in einer einzigen Stadt 500 Unterschriften sammeln. Wir feiern die Messe für die Ausländer, die der Arbeit wegen hier sind. Wir haben versucht, die Familien katholischen Ursprungs zu finden; die eine oder andere kam auf uns zu. Wir knüpfen Kontakte mit den Orthodoxen und Protestanten. Wir begegnen Muslimen bei verschiedenen Gelegenheiten. Viele Menschen beten für uns. Eine Frau hat gesagt, wir seien ein Same, aus dem ein Baum wachsen wird. Wir wünschen uns, daß sich diese Worte eines Tages verwirklichen."

Die fünf katholischen Kirchen in Turkmenistan sind vom Sowjetregime zerstört worden. Pater Madei und zwei andere Priester arbeiten, um die Situation zu verbessern; dennoch kann die katholische Kirche ihrer missionarischen Arbeit in Aschabad nicht nachgehen, wo sich eine der größten Moscheen der Welt im Bau befindet; doch die Seelsorger der kleinen Gruppen werden ihre Arbeit tun.